Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Die Bedeutung der Bodenreserve
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Mangel einer Landreserve in der Umgebung Tel-Avivs hatte mehrere negative Erscheinungen zur Folge: Er beraubte uns der Möglichkeit einer billigen Ansiedlung wenig bemittelter Elemente, führte zu starker Bodenpreissteigerung und ließ der Tätigkeit der Grundstücksspekulanten ein freies Feld. Dabei wäre es seinerzeit ohne Schwierigkeiten möglich gewesen, in der weiten Umgebung der Stadt eine Bodenreserve zu schaffen. Ihr Vorhandensein hätte die gedeihliche Entwicklung Tel-Avivs wesentlich gefördert. Dadurch, daß die Baulustigen Grundstücke zu günstigen Bedingungen in Pacht hätten erhalten können, wäre der Spekulation ein Riegel vorgeschoben worden. Für all dies aber war Voraussetzung, daß man die Böden zum passenden Zeitpunkt, ehe sie noch die seinerzeit in Tel-Aviv herrschenden unerschwinglichen Preise erreicht hatten und zum Spekulationsobjekt geworden waren, erworben hätte. Man muß sich vergegenwärtigen, daß alles, was in Tel-Aviv beobachtet wurde, dort oder auch in anderen Städten des Landes morgen wieder eintreten kann. Mit dem wirtschaftlichen Fortschritt Palästinas wird ein rascher Aufstieg der städtischen Niederlassungen einsetzen, und wenn man die wirtschaftlich und sozial schädlichen Erscheinungen, wie sie in Tel-Aviv am Werke waren, nicht aufkommen lassen will, wird überall eine Bodenreserve notwendig sein. Aber nicht nur in der Stadt, sondern auch in den landwirtschaftlichen Siedlungen hat sieh der Mangel an Bodenreserven bitter gerächt. Mit dem starken Aufschwung der alten Pflanzungskolonien in den letzten Jahren fanden dort Tausende von Juden Beschäftigung. Infolge des Mangels an Land war die durch den Zustrom der Arbeiter entstandene Lage ungeheuer schwierig. Es darf nicht vergessen werden, daß dem jüdischen Arbeiter die Eroberung der Arbeit in den Kolonien keinesfalls Selbstzweck ist. Für die meisten bedeutet sie nur das bis zur eigentlichen Ansiedlung notwendige, ja unvermeidliche Übergangsstadium. Sie hoffen, nach einigen Jahren angestrengter Arbeit, in den Stand gesetzt zu werden, eine eigene Wirtschaft zu gründen. Diese Möglichkeit wird ihnen aber für immer genommen, wenn der Keren Kajemeth um die Kolonien herum kein geeignetes Land besitzt, das für ihre Ansiedlung in Betracht käme. Es wäre aber für diese Arbeiter ein gänzlich verfehltes Unternehmen, Grund und Boden aus eigenem zu erwerben, denn selbst bei allergrößter Mühe und Entbehrungen könnten sie niemals den gesamten, sowohl für den Landkauf als auch für die Kolonisierung erforderlichen Betrag zusammensparen. Auch im besten Falle können ihre Ersparnisse kaum für die Deckung eines Teiles der Ansiedlungskosten auf gepachtetem Boden ausreichen.