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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 35

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
Date
1929-12-01
Page
Seite 35 (sequence 4)
Language
German
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müssen, um ihr Fortkommen im Lande zu finden. Dieser vielfach verwahrlosten, in echt orientalischen Arbeitsbedingungen dahinwelkenden Jugend sollte durch deren Organisierung geholfen werden. Es galt, das Bildungsniveau der Mitglieder zu heben, bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen und die Jugend auch schließlich mit der nationalen und sozialen Ideologie der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande vertraut zu machen. In all diesen Richtungen gab es ganz besondere Schwierigkeiten zu überwinden. Um so höher ist das in der kurzen Zeitspanne von fünf Jahren Erreichte zu werten. Die Zahl der Mitglieder ist von der kleinen Gruppe in Tel-Aviv auf 1500 im ganzen Land gestiegen, der Analphabetismus ist von 80% der Mitglieder auf 10% gesunken, die Schutzlosigkeit der arbeitenden Jugend gehört bereits zum großen Teil (Ausnahmen gibt es freilich bis zum heutigen Tage) der Vergangenheit an. Arbeiterklubs und Abendschulen sind an allen wichtigeren Punkten des Landes gegründet worden, es wurde auch ziemlich viel für die technische Ausbildung der jungen Arbeiter gesorgt, und schließlich ging die Organisation auch dazu über, eine landwirtschaftliche Farm für einen Teil von ihren Mitgliedern (die allerdings hauptberuflich noch immer in Lohnarbeit beschäftigt sind) in Rechoboth zu gründen, die heute sozusagen das geistige Zentrum der jungen Bewegung bildet und wo auch die Jubiläumskonferenz gefeiert wurde. So ist denn die allgemeine Genugtuung über das auf diesem Gebiete Erreichte leicht zu verstehen, wenn auch die Feierlichkeiten angesichts der allgemeinen Lage im Lande nur sehr bescheiden ausgefallen sind. Eine weitere kräftige Entwicklung der Bewegung kann wohl als sicher bezeichnet werden. 4. Zur Frage der Frauenarbeit. Das Problem der arbeitenden Frau gehört sicherlich zu den kompliziertesten im Leben der palästinensischen Arbeiterschaft, und zwar in seinen beiden Formen, sowohl als Problem der Arbeiterin-Mutter, der die Sorge um die Aufsicht über die Kinder und deren Erziehung abgenommen werden muß, als auch dasjenige der ledigen, um den Arbeitsplatz kämpfenden Arbeiterin. Die im inneren gesellschaftlichen Leben der Arbeiterschaft schon längst verwirklichte vollständige Gleichberechtigung der Frau ist, was die Arbeitsverhältnisse betrifft, bis zum heutigen Tage auf dem Papier geblieben. Trotzdem die Zahl der arbeitenden Frauen viel geringer ist als die der Männer (so befinden sich in den Städten unter 14.000 Arbeitern bloß 3000 Frauen und in den Kolonien unter 6000 Arbeitern im ganzen 600 Frauen), und trotzdem auch die Einwanderung von Arbeiterinnen ins Land auf Schritt und Tritt behindert wird (die Zahl der für Frauen erteilten Einwanderungszertifikate erreicht kaum ein Viertel, letztens gar nur ein Achtel der Gesamtzahl der Zertifikate), hat auch die verhältnismäßig geringe Zahl der arbeitenden Frauen schwer, sowohl um die Arbeitsmöglichkeit wie auch um die Arbeitsbedingungen, zu kämpfen. Leider ist letztens auf beiden Gebieten sogar ein gewisser Rückschritt zu verzeichnen. Sowohl in den Städten als auch in den Kolonien ist fast die Hälfte der arbeitenden Frauen gezwungen, in der Hauswirtschaft als Köchinnen und Gehilfinnen ihr Fortkommen zu suchen. Die in der früheren Periode erkämpften Arbeitspositionen bei den Bauarbeiten sind fast ganz verlorengegangen. Im Zusammenhang damit sind auch die Arbeitsbedingungen für die Frauen bedeutend schlimmer geworden. Nur in einem einzigen Teil des Landes, in den Kolonien der Ebene Sarona, sind die Löhne für Männer und Frauen gleich, und auch dort läßt sich wohl im Zusammenhang damit ein Rückgang der Arbeiterinnenzahl verzeichnen. In den anderen Gegenden bleiben die Löhne der Arbeiterinnen oft unter dem Existenzminimum (50% der Arbeiterinnen in den Städten verdienen kaum

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