Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter in den Kolonien beträgt gegenwärtig über 6000 und würde wohl noch mehr ansteigen, wenn es entsprechende jüdische Arbeitskräfte im Lande geben würde. Die Arbeitsämter der Histadruth waren vielfach nicht mehr in der Lage, den Anforderungen nach Arbeitern für die Kolonien nachzukommen, nachdem einmal die geringen Reserven von Arbeitslosen, Flüchtlingen und den neuen Einwanderern erschöpft waren. Charakteristischerweise hat jetzt die Bewegung in erster Reihe auf die galiläischen Kolonien übergegriffen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit der Pica unterstehen und bisher nur sehr wenige jüdische Arbeiter beschäftigten. Die Kolonisten in jenem Teil des Landes beschlossen nunmehr, entweder zum Grundsatz der Selbstarbeit oder doch der jüdischen Lohnarbeit überzugehen. Ob es sich dabei nun um eine dauernde Wandlung der Dinge oder bloß um einen neuen Konjunkturbeschluß handelt, bleibt freilich abzuwarten. Doch unterliegt es keinem Zweifel, daß auch, abgesehen von den letzten Ereignissen, die Arbeitsmöglichkeiten in den Kolonien, insbesondere im Zusammenhang mit den neuen Pflanzungsaktionen, bedeutend gewachsen sind. Auch die Arbeitsbedingungen haben sich letztens vielfach gebessert, und zwar sowohl was die Lohnhöhe (jetzt durchschnittlich 20 Piaster täglich, früher bloß 15 bis 171/2) als auch die Sicherheit der Beschäftigung betrifft. Die Arbeiterschaft selbst betont auf Schritt und Tritt die Notwendigkeit einer definitiven Regelung der Arbeitsbeziehungen in den Kolonien und ist auch letztens erneut mit dem Gedanken von gemeinsamen paritätischen Arbeitsämtern hervorgetreten. Auch das Bedürfnis nach einer Selbsthilfe durch Gründung von Hilfswirtschaften wie auch von anderen Institutionen (Leihkassen, Arbeiterküchen, Konsumvereine und dergleichen) wird jetzt viel mehr empfunden und dürfte wohl in der allernächsten Zeit zur konkreten Tätigkeit auf diesem Gebiete führen. Anderseits hat letztens die Palestine Economic Corporation mit der Ansiedelung von Koloniearbeitern begonnen, und wenn auch diese Tätigkeit vorläufig nur den wenigen mehr bemittelten Arbeitern zugute kommt, die in der Lage sind, auch eigene Mittel in der Wirtschaft zu investieren, so dürfte auch diese Tätigkeit das ihrige zur Fundierung der Lage der Koloniearbeiterschaft beitragen. (Wir haben darüber wiederholt berichtet, siehe besonders 1927, S. 545. — Die Red.) Schwer lastet indes auf der Koloniearbeiterschaft die Wohnungsfrage. Die Mietpreise sind sehr hoch, sie verschlingen 20 bis 25% der Verdienste, und die seinerzeit durch die Zionistische Exekutive zur Verfügung gestellten Zelte und Baracken sind, abgesehen von ihrer geringen Brauchbarkeit vom Standpunkt der Hygiene, schon längst mehr oder weniger abgenützt und unbrauchbar geworden. So ist denn letztens der Plan aufgetaucht, eine Aktion zum Bau von Arbeiterwohnungen in den Kolonien zu unternehmen, an der sich die Zionistische Exekutive, die P. E. C, die Kolonieverwaltungen und auch die Arbeiterschaft selbst beteiligen würden. Im Interesse des gesamten jüdischen Siedlungswerkes im Lande wäre die Verwirklichung eines derartigen Planes wohl auf das lebhafteste zu begrüßen. 3. Das Jubiläum der Organisation der Arbeiterjugend. Vor wenigen Tagen feierte die Organisation der jüdischen Arbeiterjugend im Rahmen des allgemeinen Gewerkvereins der jüdischen Arbeiter in Palästina, die „Histadruth Hanoar Haowed", das fünfjährige Jubiläum ihres Bestehens. Die Organisation ist Ende 1924 in Tei-Aviv begründet worden. Sie umfaßte von aller Anfang an hauptsächlich die im Lande geborene Jugend (erst später kamen die Kinder der vierten Alijah hinzu), die, dem Kindesalter kaum entsprossen (es handelt sich um zwölf- bis achtzehnjährige Burschen und Mädchen), bereits zur Lohnarbeit übergehen