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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 31

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-12-01
Page
Seite 31 (sequence 4)
Language
German
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Vorschläge sind noch mit sehr vielen und zum Teil übertriebenen oder unberechtigten antizionistischen Bemerkungen durchwachsen, welche die geistige Herkunft Philbys aus der arabischen Politik nach wie vor eindeutig verraten, rechnen doch aber anderseits mit der Tatsache der Baifour-Deklaration und wollen den Juden Einwanderung — „im Rahmen der Fassungskraft des Landes" — kulturelle Arbeit und landwirtschaftliche Siedlung sichern. Ein Vetorecht des Hochkommissärs soll diese Minoritätsrechte vor dem Machtspruch des palästinensischen Parlaments, das er auf der anderen Seite fordert, wirksam schützen. Die Antwort von Magnes weist die antizionistischen Übergriffe Philbys nicht zurück, gibt aber im übrigen ein sehr bemerkenswertes Programm der Zukunftsgestaitung Palästinas, das vor allem auf dem Gedanken der notwendig internationalen Stellung des „heiligen Landes", der Heimat „zweier Völker und dreier Religionen", aufgebaut ist, und in diesem Rahmen auch das besondere Recht der Juden auf Palästina, wenn vielleicht auch nicht nachdrücklich genug, hervorhebt. Die Aufnahme dieses Briefwechsels in der hebräischen Presse war hundertprozentig negativ. Auch Beilinson im „Davar" und Glücksohn im „Haaretz" — die beide einen Störungsversuch Ussischkins und der Studentenschaft während der Magnes'schen harmlos pazifistischen Rede bei Eröffnung der Universität sowie eine studentische Demonstration gegen Dr. Hugo Bergmann scharf verurteilt hatten — erklärten, daß die Magnes'schen Darlegungen aus dem Rahmen des Zionismus herausfallen. So stehen sich im Augenblick die gegensätzlichen Überzeugungen völlig unvermittelt gegenüber. "Was aber soll werden? Es ist ein Weg denkbar, am besten unter dem Vergleichsbilde jener Entwicklung, die im Nachkriegsdeutschland von Rathenau zu Stresemann geführt hat. Es wird noch in Erinnerung sein, daß Stresemann in seinen Anfängen als Minister sich gegen die Rathenausche „Erfüllungspolitik" gegenüber den früheren Feinden abgrenzen mußte, gerade um seine, in der Praxis durch nichts von der Rathenauschen unterschiedene Erfüilungspolitik innerpoiitisch durchsetzen zu können. So kann es auch in Palästina kommen. Es ist sehr denkbar, daß die historische Funktion des „Brith Schalom" und der Vorschläge von Dr. Magnes, der dieser Organisation nur nahesteht, nicht angehört, gerade infolge ihrer verhältnismäßigen Radikalität darin bestehen wird, daß sie den heutigen Führern des Jischuw die Möglichkeit gibt, eine sehr ähnliche Politik praktisch durchzuführen, ohne in den Geruch nationalen Verrates zu kommen. Dabei müßte dann besonders die Frage der „wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes", von der die Araber die Höhe der Einwanderung abhängig machen wollen, einem sehr genauen Studium unterzogen werden, da dieser Terminus viel eher eine politische als eine nationaiökonomische Größe bezeichnet. Die Aufnahmefähigkeit des Landes ist nicht stabil; sie wird vielmehr dauernd von den finanziellen Anstrengungen der Zionistischen Organisation beeinflußt; aber es ist auch die Frage, ob sie sich als Funktionszahl der jüdischen Investierungen im Lande ausdrücken läßt. Vielleicht sollte die Entscheidung dieses Kernproblems in irgendeiner Weise aus den Interessenkämpfen herausgenommen und vor ein Forum löglichst neutraler internationaler Fachleute gebracht werden können. (Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß wir unseren geschätzten Referenten volle Freiheit geben. Über die politische Einstellung der Arbeiterschaft unterrichtet der nächste Artikel. "Wir selbst glauben, daß die zionistische Diskussion über die aktuellen politischen Fragen eine Zeitlang, bis zu Verhandlungen der Leitung, intern und nicht in Reden und in der Presse weitergeführt werden soll. Die öffentlich aus-

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