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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 30

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-12-01
Page
Seite 30 (sequence 3)
Language
German
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die Untersuchungskommission die „Arabische Exekutive" praktisch in gleicher "Weise wie die Exekutive der Jewish Agency als „Partei" anerkannt, wenn auch z. B. Mr. Luke in seinem Verhör mehrmals darauf hinwies, daß eine staatsrechtlich begründete Vertretung der Araber bei der palästinensischen Regierung bisher nicht bestehe. Dies ist zwar nach wie vor de jure richtig, doch nun kaum mehr de facto. Mit diesen letzten Feststellungen sind wir schon in das Gebiet des zweiten Fragenkomplexes herübergegangen, der, wie einleitend bemerkt, gleichfalls zurzeit im Mittelpunkt der palästinensischen Aufmerksamkeit steht. Die Frage, ob, wann, worüber und durch Vermittlung welcher Instanzen Verhandlungen zwischen Juden und Arabern zu führen sind, beschäftigt die gesamte Presse und beinahe auch jedes Privatgespräch Tag für Tag. Den Anstoß hat wohl die Agitation des „Brith Schalom" gegeben, die zwar auch nicht auf selbständige und unkontrollierbare Verhandlungen gerichtet war, aber doch bereits unmittelbar nach den Unruhen die verantwortlichen Instanzen beider Völker zu Verhandlungen reif machen wollte. Als geeigneter Zeitpunkt erschien der Augenblick, in dem die Untersuchungskommission ihre Arbeit beendet haben würde. Eine allzu weite Hinausschiebung der Verhandlungen schien und scheint dieser Gruppe nicht sehr zweckmäßig, weil vielleicht die Gefahr besteht, daß unsere möglichen Angebote nach einiger Zeit vielleicht nicht mehr in unserer Hand sein werden. In der Frage, wer der Verhandlungspartner sein solle, stehen die Kreise des „Brith Schalom" wohl etwa auf dem Standpunkt, daß man sich seine Feinde nicht aussuchen könne und daß wir überhaupt nicht mit einzelnen Persönlichkeiten, sondern mit Institutionen und denen, die an ihrer Spitze stehen, zu verhandeln haben. Aus dem Verhandlungsgebiet sollen keinerlei Gegenstände grundsätzlich ausgeschlossen werden, was natürlich nicht bedeutet, daß sie damit bereits zum Verzichtsobjekt geworden sind. Diese grundsätzliche Stimmung wurde illustriert durch einen großen Aufsatz Hugo Bergmanns, der als den „Weg zur Verständigung" eine Psychologie empfahl, die in den ökonomischen Angelegenheiten des Landes — nur in diesen! — das Primat des palästinensischen Staatsbewußtseins gegenüber dem arabischen oder jüdischen Nationalbewußtsein fordert. Gegenüber diesem Gedankensystem wurden in der gesamten öffentlichen Meinung des jüdischen Palästinas fast ausschließlich ablehnende Stimmen laut, die sich allerdings in Tonart und Argumentation mannigfach voneinander unterscheiden. Ihren Generalnenner drückt wohl ein Beschluß des „Waad Leumi" aus — er hat jetzt in Pinchas Ruthenberg einen neuen, sehr tatkräftigen Vorsitzenden — ein Beschluß, der erstens: „nationale Disziplin", das heißt das Absehen von allen eigenmächtigen Verhandlungen mit Arabern oder Engländern forderte und der es zweitens: ausdrücklich ablehnte, mit den heutigen arabischen Führern über ein Parlament usw. zu verhandeln, da dies als Prämie für die Pogrome wirken müsse. Die Forderung nach „nationaler Disziplin" bezog sich noch auf einen speziellen Vorfall, der in den letzten Tagen zur Kenntnis der breiteren Öffentlichkeit gelangt ist und augenblicklich den Hauptdiskussionsstoff liefert. Dr. I. L. M a g n e s, der Kanzler der hebräischen Universität, hatte ausführliche Gespräche mit P h i 1 b y, anläßlich dessen kürzlicher Anwesenheit in Jerusalem, die sich später in einen, zuerst in Amerika, gedruckten Briefwechsel niederschlugen. Darin macht Philby, der bekanntlich während des Weltkrieges einer der Exekutoren von Englands panarabischer Politik gewesen war, sich früher eindeutig antizionistisch ausgesprochen hatte, sofort nach den Unruhen aber den Gedanken einer jüdisch-arabischen Konferenz zwecks späterer Zusammenarbeit in der englischen Presse veröffentlichte, konkrete Vorschläge für die Gestaltung des künftigen Verfassungslebens Palästinas. Auch diese

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