Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Soziale Frauenarbeit in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
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matische Beschäftigung mit diesem Problem immer wieder beiseite geschoben, und es jedem, der sich irgendwie damit beschäftigen wollte, überlassen, dies nach seinem eigenen Ermessen zu tun. Welche Folgen von unrationellem Verbrauch öffentlicher Mittel, von Duplizität und Triplizität der Hilfeleistung einerseits, von mangelnder Hilfeleistung anderseits, von Demoralisation und Entmutigung hieraus resultieren, kann man sich leicht vorstellen. Leider ist die Hilfsarbeit der Frauen in vielen Fällen gegeignet gewesen, die sozialen Schäden zu vergrößern, statt sie abzustellen. Die ersten Frauenvereine des Landes standen auf rein karitativer Basis. Sie entstanden vor zwei oder drei Jahrzehnten mit dem Ziel, ihren religiös orthodoxen Mitgliedern Gelegenheit zur Ausübung von „Mizwoth44 zu geben. Diese Mizwoth erwies man in dem einen Verein den Obdachlosen und Hungrigen, in einem anderen armen Bräuten, in einem dritten Kranken und schwangeren Frauen. Daß die Klassifizierung „Obdachlose", „Hungrige44 usw. natürlich keine richtige Grundlage für systematische soziale Arbeit bilden und auf die Dauer keine Besserung der Lage schaffen konnte, beunruhigte niemanden; das Spenden geschah ja mindestens ebensosehr im Interesse des Schenkenden wie des Beschenkten, wobei in dem Begriff des „Geschenkes46 von vornherein ein moralisch bedenkliches Element enthalten war. Dabei begnügten sich diese Vereine nicht mit den Mitteln, die sie im Lande selber aufbringen konnten, sondern erbaten hauptsächlich Spenden aus dem Auslande, was dazu führte, daß sie auch als Schule für die Mitglieder in der Erziehung zu selbständiger Tätigkeit und Opferfreudigkeit an Wert verloren. Am systematischesten wurde solche Sammel- und Hilfsarbeit von dem Verein „Esrat Naschim44 aufgenommen, der sich die Unterbringung und Behandlung von Geisteskranken zur Aufgabe macht. Es mag manchem sonderbar erscheinen, daß die Einrichtung einer Landesirrenanstalt gerade eine Aufgabe der Frauen bildete, aber es muß zugegeben werden, daß Esrat Naschim in den vielen Jahren ihrer Existenz diese Aufgabe jederzeit konsequent und sachgemäß durchgeführt hat; ferner, daß die Institutionen aller dieser Vereine, solange keine andere Stelle sich mit der Fürsorge für die Notleidenden beschäftigte, sicherlich nicht überflüssig waren und es auch heute noch nicht sind. Nur hätten sie, statt zufällig und unzulänglich nebeneinander zu bestehen, alle zusammen in ein Gesamtsystem sozialer Fürsorge hineingehört. Die erste Frauenorganisation, die mit einem ganz bestimmten Programm der Arbeit als Ergänzung der Männerarbeit in Palästina auftrat, war eine ausländische Organisation, nämlich der „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina46. Er erkannte, daß die Lage der