Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Soziale Frauenarbeit in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 17 (sequence 2)
- Language
- German
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Teilaufgaben wählen können. Auf der Seite derer, welche die gesamte soziale Fürsorge verstaatlicht sehen möchten, sieht man immer wieder ein, daß — bis die Gesamtheit zur Erkenntnis dieser Notwendigkeit erzogen wird — es dennoch notwendig ist, daß Frauen selbständig dort zugreifen, wo die Interessen von Frauen und Kindern vernachlässigt werden. Teilweise hofft man auch, die besonderen sozialen Leistungen der Frauen als ein Mittel zur Demonstration, wie es gemacht werden muß, dem größeren Gemeinwesen gegenüber benützen zu können. Unser palästinensisches Gemeinwesen — so klein es noch ist — hat die Eigentümlichkeit, daß hier immer die verschiedensten Grade und Stufen sozialer und kultureller Entwicklung nebeneinander bestehen — eine Folge der mannigfachen Kulturgrade, die sich in der hier zusammengeströmten Bevölkerung aus allen Ländern der Welt verkörpern. Das zeigt sich auch in der Auffassung und Ausübimg sozialer Arbeit, speziell sozialer Frauenarbeit. Dabei ist die soziale Situation, besonders in den Städten, solcherart, daß sie eigentlich die Gleichgültigkeit und dilettantische Zufälligkeit, die auf dem Gebiete der sozialen Hilfeleistung besteht, ganz unverzeihlich macht, denn wenn irgendwo, so ist hier — wo man Spenden aus der ganzen Welt zur Verwaltung erhält — eine sehr prinzipielle und verantwortliche Verwendung dieser Spenden notwendig, da man sonst, statt soziale Schäden abzustellen, das jüdische Bettlertum der ganzen Welt anlockt und damit den aufbauenden Jischub schwer gefährdet. Man darf ja nicht vergessen, daß Palästina eine ganz ungewöhnlich große einheimische — zum größten Teil sephardische — Bevölkerung besitzt, die infolge von Unerzogenheit, Arbeitsmangel und auch Arbeitsscheu im sozialen Sinne hilfsbedürftig ist. Dazu kommen die Nachkommen der von der Chalukah ins Land gezogenen aschkenasischen Juden, eine Schicht, die sich bei genügender Anstrengung zum Kleinbürgertum erheben könnte, infolge einer unglückseligen Ablehnung ganzer Berufskategorien und Gewöhnung an den Empfang von Spenden hier aber ebenfalls der Öffentlichkeit zur Last fällt. Dazu kommt ferner die Schar der vollständig pauperisierten und kulturlosen Juden aus orientalischen Ländern, die in den beiden letzten Jahrzehnten ins Land geströmt sind. Diese Armee von hilfsbedürftigen, von vornherein auf Hilfe rechnenden Existenzen gegenüber einer noch kleinen Gesellschaft von produktiv arbeitenden besitzenden, oder wenn auch besitzlosen, so doch persönliche Hilfe verschmähenden Elementen bietet ein so gewaltiges soziales Problem, daß man schon seit Jahren ernstlich hätte erwägen müssen, welche Rolle seiner Lösung beim Aufbau von Palästina zufällt und wie diese Lösung zu bewerkstelligen ist. Statt dessen hat man die syste-