Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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lästina zu Kollektivverträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern kommen, welche das Arbeitsverhältnis regeln und eine friedliche Beilegung aller Streitigkeiten vorsehen. Ich hoffe, wir sind nach jahrelangen Verhandlungen jetzt diesem Ziele nahe und werden dadurch den Weg für neue industrielle Unternehmungen in Palästina ebnen. Eine neue soziale Ethik. Obwohl wir den sozialen Frieden in erster Linie im Interesse eines ungestörten Aufbaues Palästinas erstreben, so kann dies Streben doch darüber hinaus noch weite Kreise ziehen. Die europäischen Formender kapitalistischen Wirtschaft sind bedingt durch eine lange geschichtliche Entwicklung. Wir haben in Palästina den Vorteil, daß wir keine solchen festen Formen vorfinden. Wir brauchen nichts Bestehendes zu zerstören, sondern können unsere Wirtschaft von unten auf, sozusagen auf den nackten Felsen, bauen. Wirhabenschonheute in Palästina Anfänge einer verheißungsvollen Entwicklung zu neuen sozialen Formen. Große Teile unserer Bodenerwerbungen sind in den Besitz des Jüdischen Nationalfonds übergegangen, der sie als Eigentum des jüdischen Volkes verwaltet und der privaten Spekulation entzieht. Palästinaist das einzigeLand, in dem ohne staatliches Eingreifen die jüdischen industriellen Betriebe den achtstündigen Arbeitstag eingeführt und Kinderarbeit ausgeschlossen haben. Die Zahl der Genossenschaften für Kredit, für Einkauf und Verkauf, für Bauten, für öffentliche Arbeiten, für landwirtschaftliche Arbeit sind so groß, daß man Palästina heute das kooperative Land nennen kann. Die ärztliche Fürsorge unter den Arbeitern ist, trotzdem der Staat hierzu keinerlei Beiträge leistet, vorbildlich organisiert. Wenn man bedenkt, daß alle diese neuen Leistungen in ganz kurzer Zeit geschaffen worden sind, so ist die Hoffnung berechtigt, daß der Drang der Juden zur Schaffung neuer sozialer Formen in Palästina in der Zukunft noch manche Frucht tragen wird. Vor mehr als zwei Jahrtausenden haben die jüdischen Propheten zuerst ein hohes ethisches Ideal aufgestellt und den Weg der Menschheit erleuchtet. Die Juden in Palästina können auf der Suche nach neuen, besseren Formen des sozialen Zusammenlebens vielleicht zur Schaffung einer neuen sozialen Ethik beitragen, nach der die Menschheit dürstet, und können zeigen, daß der Geist der Propheten noch in ihnen lebendig ist. Ichglaube, daß w irn u rdurchdieHoffnungaufneue, bessere, soziale