Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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Formen in den breiten Schichten der von Handarbeit Lebenden den Enthusiasmus erhalten können, der mir für den Erfolg unserer Arbeit unerläßlich scheint. Der Enthusiasmus unserer Siedler hat mehr wie irgendein anderer Faktor unserer Arbeit Freunde unter Juden und Christen gewonnen. Gerade Nichtzionisten, und zwar wirkliche Busineßmen, haben erkannt, daß ohne die Hoffnung auf bessere soziale Lebensformen der Enthusiasmus der großen Masse der Einwanderer versiegen würde und daß damit ein wertvolles Aktivum für den Aufbau Palästinas verlorenginge. Das Leben in Palästina muß sich zwar, je weiter wir uns von der Pionierperiode entfernen, immer mehr mit Wirtschaftlichkeit durchdringen. Aber Wirtschaftlichkeit allein ohne den vorwärtsstürmenden Enthusiasmus wird ein jüdisches Palästina nicht aufbauen. Das religiöse Leben. Wie die Juden in Palästina aus allen Ländern und Schichten der Judenheit stammen, so spiegelt auch ihr religiöses Leben vorerst noch die religiöse Zerrissenheit der Juden in der Diaspora wider. Aber in Palästina ist die Religion viel enger mit nationalen Empfindungen und mit geschichtlichen Erinnerungen verbunden. Viele religiöse Symbole, deren Sinn in der Diaspora ausgelöscht war, leuchten in Palästina wieder im alten Lichte. Hier kann jedes Kind die Bibel im Urtexte lesen und sie mit dem Lokalkolorit erfüllen, das ihr volles Verständnis ermöglicht. Kein geringerer als Chaim Nahum Bialik setzt sich mit seiner ganzen künstlerischen Gestaltungskraft für die Wiederbelebung religiöser Gebräuche ein. Dem so Geschaffenen wohnt, weil es nicht aus der Studierstube, sondern aus dem Volksleben entspringt, weil es nicht nur gelehrt, sondern gelebt wird, eine viel größere Kraft inne, sich durchzusetzen. Ich denke, es istkein Traum, daß von hier aus einmal eine Erneuerung des religiösen Lebens auch in der Diasporaausgehenwird. Nene jüdische Kultur. Das Wunder der Wiederauferstehung der hebräischen Sprache in Palästina, das Erscheinen einer reichhaltigen hebräischen Literatur, das hebräische Schulwesen mit der hebräischen Universität an seiner Spitze, werden in der Diaspora das Interesse für die hebräische Sprache beleben. Nichts ist aber mehr geeignet, den Zusammenhang mit dem Judentum zu stärken als eine, wenn auch nur fragmentarische Kenntnis des Hebräischen.