Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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vinismus, den wir bei anderen Völkern hassen, auch bei uns selbst bekämpfen. Die Arbeiter Palästinas. Das Gelingen unseres Werkes in Palästina hängt zu einem großen Teile davon ab, ob es uns gelingt, alle Schichten der Juden zu einer friedlichen Zusammenarbeit in Palästina zu bringen. Alle Kräfte, die wir in Streitigkeiten unter uns selbst verbrauchen, gehen für schöpferische Tätigkeit verloren. In Europa sind die Juden zum größten Teil Selbständige, nämlich Kaufleute, Vermittler, Handwerker, Besitzer industrieller Betriebe. Jüdische Arbeiter machen nur einen kleinen Prozentsatz aus. In Palästina, wo die Juden der Mehrzahl nach Produzenten in Landwirtschaft und Industrie sein müssen, wird der Prozentsatz der Arbeiter ein viel höherer sein. Schon diese Verschiedenheit des Zahlenverhältnisses zwischen Selbständigen und Arbeitern bringt es mit sich, daß sich die Ideale der Arbeiterklasse in Palästina viel stärker geltend machen als im jüdischen Leben in Osteuropa oder in Mittel- und Westeuropa. Wo es in der Welt jüdische Arbeiter in geschlossenen Massen gibt, in der polnischen Textilindustrie, in der Diamantindustrie in Amsterdam und Antwerpen, in der Bekleidungsindustrie in New York, sehen wir überall ein starkes Streben der Arbeiter nach Organisation. Es ist ein Charakteristikum des jüdischen Arbeiters — und damit zeigt er sich als wahrer Sohn des jüdischen Volkes — daß er nicht ein stummes Anhängsel an einen großen Betrieb bleiben, sondern an der Entwicklung des Getriebes schöpferisch mitarbeiten will, daß er sich nicht für alle Zeit mit einem niedrigen Lebensstandard begnügt, sondern auf Verbesserung dieses Standards sinnt. Er will auch als Arbeiter ein geistiger Mensch bleiben und an den Kulturgütern seinen Teil haben. Er mag infolgedessen für den Arbeitgeber nicht immer bequem sein, aber wenn wir überhaupt einen jüdischen Arbeiterstand haben wollen — und das ist das sine qua non für eine rasche Vermehrung unserer Zahl in Palästina — so werden wir dieser Eigenart Rechnung tragen müssen. Das wird um so eher möglich sein, als der jüdische Arbeiter zwei wertvolle Eigenschaften nach Palästina mitbringt: seine nationale Zuverlässigkeit und seine Intelligenz. Beide weisen ihn darauf hin, seine Forderungen nicht zu überspannen, weil Palästina in einer kapitalistischen Welt auf das Einströmen von Privatkapital nicht verzichten kann. Der wirtschaftliche Friede in Palästina hat zur Voraussetzung, daß Verständnis für die Eigenart des jüdischen Arbeiters sich mit Verständnis für wirtschaftliche Möglichkeiten im Rahmen der Weltwirtschaft paart. Wir müssen in Pa-