Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Welt. Wir können zwar mit Stolz sagen, daß Palästina, das vor drei Jahrzehnten bei den Juden der Welt nur als Ghalukkahland bekannt war, das nur zu nehmen aber nichts zu geben bereit war, inzwischen eine andere Einschätzung erfahren hat. Palästina ist heute materiell zwar noch der nehmende, aber ideell bereits in hohem Maße der gebende Teil geworden. Die Leistungen der kleinen Schar von Juden in Palästina auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der Industrie, der hebräischen Sprache und Literatur, des Theaters, der Musik haben die Aufmerksamkeit und die Hochschätzung der Juden in der Diaspora auf sich gezogen. Aber es ist klar, daß diese Leistungen nicht die notwendige große Resonanz und Wirkungsbreite haben können, wenn sie nur von einem Häuflein von 160.000 Juden getragen werden. Ich habe seit zehn Jahren wiederholt meiner Überzeugung Ausdruck gegeben, daß es bei einer ernsthaften Kraftanstrengung der ganzen Judenheit möglich ist, die Zahl der Juden in Palästina in den dächsten 10 bis 15 Jahren auf eine halbe Million und in weiteren 10 bis 15 Jahren auf eine Million zu bringe n*). Hierbei spreche ich natürlich von solchen Juden, die, gemäß den ökonomischen Bedingungen Palästinas in Landwirtschaft und Industrie, das heißt in der Produktion der Güter, in einem viel höheren Maße tätig sind, als es bei den Juden in der Diaspora der Fall ist. Wenn es uns gelingt, in den ersten Jahren 1000 Familien jährlich mit Hilfe des Keren Hajessod in der Landwirtschaft anzusiedeln und diese Zahl allmählich auf 2000 bis 3000 jährlich zu steigern, so können wir in 20 bis 30 Jahren 50.000 Familien, das heißt eine Viertelmillion Seelen, in der Landwirtschaft haben. Das liefert uns, wenn wir gleichzeitig auch der Industrie durch Kredite zu Hilfe kommen, die Grundlage, um eine Million Seelen in wirtschaftlich gesichterten Positionen unterzubringen. Kolonisationsfonds — Ansiedlungsbank. Es war ein großer Nachteil für unsere kolonisatorische Arbeit in Palästina, daß wir nie einen Plan auf lange Sicht machen konnten, weil wir unsere finanziellen Möglichkeiten kaum für ein Jahr, geschweige für fünf oder zehn Jahre, mit Sicherheit voraussehen konnten. Ich hoffe, einer der ersten Schritte der erweiterten Jewish Agency wird es sein, diesen Mangel zu beheben. Wie bei der jüdischen Kolonisation in Rußland oder bei der englischen Kolonisation in Kanada *) Vgl. des Autors Artikel: Die Aufbauarbeit in den nächsten zehn Jahren, Jahrgang 1928, S. 341.