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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 6

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
Die Bedeutung Palästinas für die Juden
Date
1929-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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aller Juden Jüdisch als ihre Umgangssprache an. Im selben Jahre besuchten in der Ukraine nur noch 37%, in Weißrußland 34%, in Zentralrußland nur 7% aller jüdischen Schulkinder jüdische Schulen. Alle übrigen besuchten allgemeine Schulen mit Russisch oder Ukrainisch als Unterrichtssprache, wo sie selbstverständlich von jüdischer Geschichte und Religion nicht das Geringste erfahren. Hier gehen vor unseren Augen Hunderttausende von jüdischen Kindern dem jüdischen Volke für immer verloren. Aber nicht nur in Sowjetrußland, auch in den anderen Ländern Osteuropas ist die Lage gegenüber der Vorkriegszeit gänzlich verändert. Mit der gesetzlichen Gleichberechtigung der Juden und mit dem starken kulturellen Aufstieg der Länder Osteuropas seit dem Weltkriege nähern sich die Juden in viel stärkerem Maße als früher der christlichen Kultur. In Polen, wo 1897 noch 97% aller Juden jüdisch sprachen, waren es 1921 nur noch 74%. Während vor dem Weltkrieg die Mehrheit aller jüdischen Kinder in Polen Chedarim und andere jüdische Schulen besuchten, befanden sich 1925/26 nur noch 22% aller jüdischen Kinder in solchen Schulen, die übrigen 78% besuchten die allgemeinen Volks¬ und Mittelschulen und eignen sich dadurch das Polnische an Stelle des Jüdischen als Umgangssprache an. Auch Mischehe und Taufe, vor dem Weltkrieg in Osteuropa außerordentlich selten, verbreiten sich. In Sowjetrußland ist in der kurzen Zeit seit dem Weltkriege die Mischehe, besonders in Zentralrußland, bereits etwas Alltägliches geworden. In Polen wächst die Zahl der Taufen. Die Geburtenziffer geht zurück und zeigt in Rumänien, in Warschau und in Lodz bereits eine starke Annäherung an das westeuropäische Niveau. Da der Rückgang der Sterblichkeit dem Geburtenrückgang nicht gleichkommt, so haben wir damit zu rechnen, daß in Zukunft auch in Osteuropa die Vermehrung der Juden viel langsamer sein wird, als es in den vergangenen dreißig Jahren der Fall war. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten fast alle aschkenasischen Juden noch in Osteuropa. Sie sprachen dieselbe Sprache — Jüdisch — und waren nach Kultur, religiöser Tradition und Beruf eine homogene Masse. Heute hat sich diese einheitliche Judenheit nicht nur räumlich auf viele neue Länder verteilt, sondern sie hat sich auch kulturell in eine große Zahl von Judenheiten zerspalten, die in Sprache, Bildung, religiöser Tradition und Umgangsformen weit voneinander entfernt sind. Sie können sich kaum noch verständigen und sehr häufig nicht verstehen. Diese sprachliche und kulturelle Entfremdung hat das frühere Solidaritätsgefühl zwischen den Juden stark gelockert. Daß es noch nicht ganz gelöst ist, beweist die großzügige Hilfe, welche die Juden der

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