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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 5

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
Die Bedeutung Palästinas für die Juden
Date
1929-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Verfolgungen und Nöte den Fortbestand ermöglichte, heute in manchen Gebieten, so z. B. in Preußen und Budapest, den Abgang an Gestorbenen nicht mehr durch die Geborenen ersetzen. Sie haben keine natürliche Zunahme, sondern eine natürliche Abnahme, was einem langsamen Selbstmord gleichkommt. Sogar das wegen seiner geringen Geburtenzahl berüchtigte Frankreich weist demgegenüber doch immerhin noch einen Überschuß der Geburten über die Sterbefälle auf. Nur in Palästina haben die Juden mit einer Geburtenziffer von 35 und einer Sterbeziffer von 13 einen natürlichen Zuwachs von 22 auf tausend (im Jahre 1927) und stehen damit unter allen Juden der Welt weitaus an erster Stelle. Als ich vor 25 Jahren diese Assimilations- und Zerfallserscheinungen in der Diaspora statistisch behandelte, waren es periphere Erscheinungen, von denen höchstens ein Viertel aller Juden berührt wurden. Bei den übrigen drei Viertel, die in Osteuropa wohnten, war weder von religiöser Indifferenz noch Geburtenrückgang, Mischehe oder Taufe in nennenswertem Maße die Rede. Hier liegt der entscheidende Punkt, der die jetzige Situation der Juden gegenüber ihrer Situation vor dem Weltkriege unterscheidet. Heute sind diese Zerf allserscheinungen nicht mehr nur periphere Erscheinungen, sondern sie sindin denKernder Judenheit eingedrungen. Die ganze Judenheit ist in diesem Sinne heute zur Peripherie geworden. Die Gründe hierfür sind verschiedener Art. In Sowjetrußland führt die Regierung einen Kampf gegen alle Religionen, die sie als Opium für das Volk betrachtet. Unter den Schlägen dieser Verfolgungen und unter den Einwirkungen der gänzlich veränderten wirtschaftlichen und politischen Situationen ist das russische Judentum, vor kurzem noch die Hochburg jüdischer Tradition, völlig zusammengebrochen und stellt heute nur noch ein Trümmerfeld dar. Die drei Millionen Juden in Sowjetrußland üben nicht nur ihrerseits keinen Einfluß auf die Geschicke der ganzen Judenheit aus, sondern auch diese Judenheit selbst ist von jedem Einflüsse auf die Juden in Sowjetrußland abgeschnitten. Die Folge ist, daß die jüdische Jugend in Rußland unter dem Einfluß der großartigen Jugendpropaganda der Sowjetregierung ihr jüdisches Bewußtsein verliert und sich anderen Idealen zuwendet. Am deutlichsten drückt sich das in dem Niedergang der jüdischen Sprache und des jüdischen Schulwesens aus, die früher die beiden Eckpfeiler für die Erhaltung jüdischer Eigenart bildeten. Während im Jahre 1897 im Ansiedlungsrayon 97% aller Juden sich des Jüdischen als Umgangssprache bedienten, war im Jahre 1926 dieser Prozentsatz in der Ukraine auf 76%, in Weißrußland auf 90% zurückgegangen. In Zentralrußland, das als Abwanderungsgebiet für die Juden der Ukraine und Weißrußland eine große Rolle spielt, gaben 1926 sogar nur noch 48%

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