Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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äußerlich die Trennung von der jüdischen Gemeinschaft vollziehen. Vor dreißig Jahren waren zwar die Gefahrender As similatioi? auch schon sichtbar, aber sie hatten bei weitem nicht den Umfang, den sie inzwischen erlangt haben. Während um das Jahr 1900 noch drei Viertel aller Juden in Ländern mit relativ niedriger Kultur, in Osteuropa und im Orient, lebten und die Versuchung zum Übergang in die Kultur der nichtjüdischen Umgebung gering war, hat sich heute das Bild gänzlich geändert. Heute lebt bereits die Hälfte alier Juden außerhalb Osteuropas in den Ländern höherer Kultur, davon allein fünf Millionen im englischen Sprachgebiet, und ist hier den Verlockungen dieser Kulturen im höchsten Maße ausgesetzt. Wir finden demgemäß eine steigende Abwendung von all den Kulturwerten, die noch vor zwei und drei GenerationenunserenVorfahren teuer waren. Entsprechend der großen Bedeutung, welche die Religion bisher für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden hatte, leidet die Judenheit mehr als andere ethnische Gruppen durch den Niedergang des religiösen Lebens in der Gegenwart. In Mittel- und Westeuropa ist die Zugehörigkeit zum Judentum bei vielen ein leerer Schein, ohne jeden religiösen Inhalt geworden. In Amerika besuchen Tausende von Juden die Kirchen der Christian Science. Andere haben die Religion überhaupt aus ihrem Leben ausgeschaltet. Sie treten zwar nicht formell aus dem Judentum aus, weil in Amerika die Zugehörigkeit zu einer Religion reine Privatsache ist und nicht offiziell registriert wird, aber sie verlieren jeden Zusammenhang mit dem Judentum. Die Taufe ist bei ihnen nicht ein einmaliger Akt, sondern ein chronischer Prozeß. Die jüdischen Organisationen geben sich ungeheure Mühe, dieser Abwendung von der jüdischen Tradition Einhalt zu tun. Allein in New York haben die jüdischen Organisationen für die Zwecke des Religionsunterrichtes der Kinder im Jahre 1928 fast fünf Millionen Dollar ausgegeben. Aber trotzdem ist es ihnen nicht gelungen, mehr als etwa ein Drittel der jüdischen Schulkinder zum regelmäßigen Besuch des jüdischen Religionsunterrichtes zu veranlassen. Die übrigen zwei Drittel wachsen auf, ohne von jüdischer Geschichte und jüdischer Religion irgend etwas zu verstehen. Ähnlich sind die Verhältnisse in West- und Mitteleuropa. In einer großen italienischen Gemeinde beklagte sich bei mir der Vorsteher, daß die Juden sogar am Jörn Kippur nicht mehr in die Synagoge kommen. Auf meine Frage, was sie denn überhaupt noch mit dem Judentum verbinde, antwortete er: Sie wollen auf einem jüdischen Friedhof begraben werden. Das Resultat einer kürzlich von den amerikanischen Reformgemeinden veranstalteten Umfrage war, daß nur 50% der Juden am Jörn Kippur in die Synagoge kommen, aber 90% Prozent noch „Jahrzeit" halten. Es ist