Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Gleichberechtigung der Juden ist nach 150 Jahren rechtlicher Zurücksetzung in der ganzen Welt durchgeführt. In den meisten Ländern Osteuropas sind die Juden seit dem Weltkriege durch die völkerrechtlichen Verträge zum Schutze der nationalen Minderheiten als nationale Minderheit anerkannt und haben dadurch das Recht erhalten, ihr kulturelles Leben nach eigenem Willen zu gestalten. Die jahrhundertealte Sehnsucht der Juden nach Palästina, die früher nur in Gebeten, in Pilgerfahrten und in kleinen Anfängen einer Besiedlung Befriedigung finden konnte, hat durch die Balfour-Deklaration und durch das Palästinamandat eine völkerrechtliche Grundlage zu ihrer Verwirklichung bekommen, die uns vor fünfzehn Jahren noch als ein Traum erschien. Die Assiniilationserscheinungen. Unter diesen Gesichtspunkten gesehen, steht der Bau der Judenheit heute imposanter da als jemals zuvor. Aber hinter der glänzenden Fassade sind zerstörende Kräfte am Werke. Sie untergraben den Grundpfeiler des Baues nämlich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden, das auf ihre Religions-, Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft gegründet war. Wir sind gewohnt, diese Erscheinung als Assimilation zu bezeichnen. Wir verstehen darunter, daß Juden sich von der traditionellen jüdischen Kultur, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts allen Juden gemeinsam war, loslösen und in das Herrschaftsgebiet einer anderen Kultur gelangen, die ihnen höher als die eigene erscheint und der sie sich deshalb anzuschließen suchen. Der Wechsel der Kultur ist die Einleitung zum Wechsel der Nationalität. Es wird zwar von manchen Seiten behauptet, daß ein Jude so wenig aus seiner Nationalität austreten könne wie ein Neger aus seiner Rasse. Aber der Vergleich stimmt nicht. Die Rasse ist ein vom Menschen unabhängiger Faktor, seine Nationalität hängt dagegen zu einem großen Teile von äußeren Verhältnissen ab, auf deren Wahl und Gestaltung der Mensch Einfluß hat. Viele Juden in Westeuropa fühlen sich dem Volkstum ihrer Umgebung näher als den Juden und können kaum noch zur jüdischen Nationalität gerechnet werden. Es hat keinen Zweck, ihnen eine fiktive jüdische Nationalität zuzuschreiben. Sie bleiben vielleicht eine Zeitlang in einem Schwebezustand zwischen beiden Nationalitäten, aber schließlich fallen sie der Anziehungskraft der stärkeren Nationalität anheim. Sie können hierbei trotz völligen Verlustes des Interesses an jüdischen Dingen doch formell noch Juden der Religion nach bleiben. Sie können aber durch Taufe, Austritt oder durch Mischehen, bei denen die Kinder der christlichen Religion zufallen, auch