Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Landwirtschaft. Von Dr. Karl Schwager, Jerusalem.
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 56 (sequence 3)
- Language
- German
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rechtfertigt. Es zeigt sich in vielen Fällen, daß in dieser Hinsicht die naturgegebenen Grenzen noch nicht erreicht sind. Gute Arbeit leistet die Absatzorganisation der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen „Tnuwah". Es sei nebenbei bemerkt, daß es sich hier um eine der vielgeschmähten Arbeiterinstitutionen handelt; hier liegt ein Fall vor, daß aus eigener Kraft und ohne materielle Hilfe von außen systematisch eine Aufgabe durchgeführt wird, die sonst Sorge der Kolonisationsbehörden sein müßte. So ist es der „Tnuwah" gelungen, in den letzten Monaten durch Anlage gut eingerichteter Molkereien sowohl in den Hauptkonsumplätzen des Landes als auch in zentralen Punkten der landwirtschaftlichen Siedlung die Grundlage für weitestgehende Verwertung der Milch zu schaffen und den Absatz an Frischmilch wie an Molkereiprodukten, Butter, Käse, Sahne usw., in wenigen Monaten ganz bedeutend zu steigern, während doch der Milchproduktion schon seit Jahren eine Absatzstagnation prophezeit wird. Die Qualitätseier der jüdischen Geflügelställe erzielen dauernd erstaunlich hohe Preise, wozu heuer freilich beigetragen haben mag, daß die Geflügelbestände der arabischen Landwirte durch die vorjährige Hühnerseuche stark dezimiert worden sind. Der „Tnuwah" liegt nun auch die Sorge ob, die Traubenernte des Emek unterzubringen. Es dürfte nicht uninteressant sein zu hören, daß man heuer, amerikanische Beispiele natürlich bescheiden imitierend, versucht, den Inlandkonsum durch Reklame zu beeinflussen. Man brachte eine bestimmte Traubensorte, die zwar äußerlich nicht sehr ansprechend, aber von den Ärzten als besonders gesundheitsfördernd empfohlen worden ist, in Spezialpackung und mit ärztlichen Gutachten als beiliegendem Prospekt auf den Markt. Ferner ist eine besondere Erfassung der Absatzmöglichkeiten in Ägypten geplant. Auch die palästinensische Regierung setzte den Versuch fort, Trauben nach England zu exportieren. Selbst die Weinkellereien haben bestimmte Mengen der Emekernte übernommen, und schließlich machte man noch Versuche mit der Verarbeitung der Trauben zu Rosinen. Ähnlich wie bei der Traubenkultur steht es auch bei verschiedenen Gemüsesorten, vor allem bei den Tomaten, die in diesem Jahre glänzende Erträgnisse brachten. Es mag in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß die industrielle Verwertung der Überschußproduktion der Tomaten durch Konservierung eine günstige Anlagemöglichkeit für ein relativ kleines Kapital wäre. Erfreulich ist die Feststellung der Tatsache, daß die Landwirtschaft Palästinas — damit sind als die Pioniere ihres Fortschrittes in erster Linie die jüdischen Landwirte gemeint — neue Kulturpflanzen für das Land „erobert". Die von der zionistischen landwirtschaftlichen Versuchsstation gemeinsam mit der Fabrik „Shemen" in Haifa geförderten Versuche mit Lein sind noch nicht abgeschlossen; ebenso hat man für den Kartoffelbau noch immer nicht die genügende Erfahrung. Interessant ist die Einbürgerung der Erdbeere als erfolgreiche Kultur in den verschiedenen Kleinwirtschaften des Pflanzungsgürtels. Vor wenigen Jahren noch eine Seltenheit, die nur hie und da von einem Deutschen als Liebhaberei gezüchtet wurde, ist sie heute in den palästinensischen Städten eine zwar teure, aber in allen Feinkosthandlungen erhältliche Frucht, die dem Züchter gute Einnahmen bringt. Wenn von neu „eroberten" Kulturen die Rede ist, stellt sich leicht die Ideenassoziation zum Tabak her, der vor mehreren Jahren als die große Zukunftspflanze Palästinas ausposaunt wurde. „Gottes Mühlen mahlen langsam" — und so kommt es, daß vor kurzem die in den Magazinen des Tabakzüchtersyndikats lagernden Vorräte aus den Ernten der vorhergehenden Jahre — nicht einmal unvorteilhaft — an das polnische Tabakmonopol verkauft werden konnten. Es besteht die Aussicht,