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Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 55

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Landwirtschaft. Von Dr. Karl Schwager, Jerusalem.
Date
1929-10-01
Page
Seite 55 (sequence 2)
Language
German
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Aber selbst die gute Ernte zeigt wieder die Kehrseite der landwirtschaftlichen Produktion: die Preise für fast alle Stapelfrüchte sind ganz bedeutend gesunken. Vor allem die Gerste wurde ungewöhnlich billig. Die Preisbewegung in dieser Getreideart macht sich in der arabischen Wirtschaft mehr fühlbar als in der jüdischen, da der jüdische Landwirt die Gerste im allgemeinen nur zur Deckung des Futterbedarfes in der eigenen Wirtschaft anbaut und eine Senkung im Preise also eigentlich für ihn nur die günstige Folge hat, daß er auf der anderen Seite die Kosten seiner Fütterung niedriger ansetzen kann. Da aber dieses Jahr über den Eigenbedarf hinaus sich ein Überschuß zum Verkauf ergab, so wurde der niedrige Preis als Nachteil empfunden. Auch der Weizen, dessen Preis im Inland im allgemeinen vom Weltmarktpreis reguliert wird, notiert niedriger als im Vorjahr. Besonders bemerkbar ist naturgemäß der Preisfall bei den Rauhfuttermitteln: Stroh, Debben (das Kurzstroh, welches bei dem Drusch nach arabischer Methode entsteht) usw., und bei Heu, das von vielen jüdischen Wirtschaften im Emek und in Schomron aus ausgebautem Gemenge erzeugt wird, um an die Milchwirtschaften in der Umgebung von Jerusalem oder auch an die berittene Polizei in Transjordanien oder andere Abnehmer verkauft zu werden. Ebenfalls sehr niedrig im Preis, wenn dies auch von dem Konsumenten in der Stadt nicht allzusehr bemerkt wird, stehen dieses Jahr die Wassermelonen, die für gewisse Gegenden der arabischen Landwirtschaft das wichtigste Verkaufsprodukt sind. Eine glänzende Ernte brachten heuer die Weingärten, freilich ebenfalls teilweise ausgeglichen durch die damit logischerweise verbundene Preisgestaltung für Trauben. Die in den ersten Jahren der Emek-Kolonisation angelegten Traubenkulturen, deren Vergrößerung man, nicht mit Unrecht, für einige Zeit gestoppt hat, sind in diesem Jahr zum erstenmal in ihrer Gesamtheit auf den Plan getreten. Es handelt sich um einige tausend Dunam Boden, auf denen Tafeltrauben produziert werden, abgesehen von der großen Traubenproduktion arabischer Landwirte, die natürlich ebenfalls zum Teil zum Essen geeignete Sorten auf den Markt bringen. Hier, wie auch bei anderen Zweigen der jüdischen Landwirtschaft, zeigt es sich, daß diese in erster Linie eine Frage der Absatzorganisation ist. Die allgemeine Auffassung bei der Entwicklung verschiedener Kulturen in Palästina ist die, daß unbedingt und in erster Linie Exportmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die allgemeine Tendenz der palästinensischen Landwirtschaft zur Intensivierung und Spezialisierung es mit sich bringen muß, daß ihre Produktion in den einzelnen Zweigen den Inlandbedarf bald überschreiten wird. Mit dem Export ins Ausland aber, vor allem nach den europäischen Märkten, hat es seine eigene Bewandtnis. Bei irgendeinem Industrieprodukt kann der Export mit der kleinsten Menge, z. B. bereits einigen hundert Dutzend Paar Strümpfen, begonnen werden und lohnend sein, aber die Verschiffung von landwirtschaftlichen Produkten und ihr Verkauf auf fremden Märkten verlangt schon beträchtliche Mindestquantitäten, um ein richtiges Bild von den Absatzmöglichkeiten zu geben. Eine Aufstapelung der für den Export in Betracht kommenden landwirtschaftlichen Produkte kommt aus leicht erkennbaren Gründen nicht in Frage, und solche Mengen, die, an einem Tage gesammelt und verladen, entsprechende Versandvorrichtungen rentieren würden, sind vorläufig fast niemals vorhanden. So entsteht der scheinbare Widerspruch, daß für den Inlandkonsum zu viel, für den Export aber doch zu wenig produziert wird. Deshalb ist es notwendig, daß die Möglichkeiten für den Absatz im Inland und in den Nachbarländern bis zur äußersten Grenze ausgenützt werden, damit an ihnen die Produktion zu dem Ausmaß erstarken kann, weiches den Export ermöglicht und

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