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Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 51

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-10-01
Page
Seite 51 (sequence 4)
Language
German
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auch in der Tat nicht — und, was das Schlimmste ist, sie überschätzen illusionär den eigenen Einsatz in diesem Spiel. Nur eine kleine, unter dem Eindruck der letzten Ereignisse, allerdings etwas verstärkte Gruppe von Menschen ordnet ihren Nationalismus von vornherein, gleich bei einer Selbstbestimmung, als Teilglied der gesamten Menschheit ein und sucht sowohl aus Realpolitik als aus weltanschaulicher Bestimmung den tragischen Lebenskonflikt zwischen der eigenen und der fremden Notwendigkeit, der als solcher natürlich immer bestehen wird, planmäßig auf ein Minimum zu reduzieren. Dieser neue Nationalismus des zwanzigsten Jahrhunderts hat unter den europäischen Völkern weit mehr (oft jüdische) Vertreter als in der jüdischen Nationalbewegung selber. Aber nur dieser neue Nationalismus kann eine wirklich fruchtbare arabische Politik führen. Der alte nämlich stellt, was als Selbstdefinition sogar ein gewisses relatives Recht hat, Juden und Araber auf dieselbe Stufe nationaler Entwicklung, indem er argumentiert, daß die Araber doch offenkundig unseren Frieden nicht wollen und wir daher gegen ihren Willen das Aufbauwerk fortsetzen müssen. Nur der neue Nationalismus wird erkenntnismäßig und aktiv in die verwickelte Vielzeitigkeit auf Seiten des Partners eindringen können, um dann festzustellen, daß die geistig führenden Schichten der Araber heute gleichsam ihren „Zionismus", ihr primitives Nationalbewußtsein des ersten Grades erleben und daß dementsprechend, das heißt durch liebevoll-überlegene Durchdringung vom höheren geschichtlichen Ort des zweiten Nationalismus aus, mit ihnen zu verhandeln ist. Dies ist nicht einfach, aber muß gelernt werden, nicht um der Araber willen,, sondern um unseres Bestandes in Palästina willen. Die dritte Ursachenschicht, die am populärsten ist und meist die Basis abgibt,, wenn Juden und Araber in ernsten persönlichen Gesprächen eine Wiederaufnahme früherer Beziehungen versuchen, ist die Schuld der palästinensischen Administration. Ich halte diese Schuld für groß in bezug auf die unmittelbaren Anlässe und den Verlauf der Unruhen; für belanglos in bezug auf die tiefer liegenden Beweggründe. Es sei denn, man stelle das gesamte imperialistische und koloniale Regime in Frage, was wir Zionisten aber doch ehrlicherweise nicht allein zuungunsten Englands tun dürften, sondern uns, als seine teilweisen Nutznießer, miteinzuschließen hätten. Dies führt zu der zweiten Hauptfrage: der nach den Zukunftsperspektiven des Aufbaues und der zionistischen Politik. Die momentane Begeisterung, die zurzeit offenbar in der zionistischen Diaspora einschließlich der Agency-Kreise herrscht und zu erheblichen Geldopfern befähigt, wird vermutlich bald einer starken Ernüchterung Platz machen. Insbesondere wird diese Ernüchterung die Investition privaten Kapitals in Palästina betreffen, die, aus rein geschäftlichen Motiven erreicht zu haben, einen der charakteristischen Erfolgspunkte der soeben abgelaufenen Aufbauepoche bildete. Die wesentliche Vorbedingung für private Kapitalinvestition: Sicherheit, wird mindestens dem nichtzionistischen Kapitalisten in Palästina noch für längere Zeit hinaus als nicht in genügendem Maße gegeben erscheinen. Diese Zurückhaltung wiederum wird die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit und damit auch eine fundierte Einwandernug ungünstig beeinflussen: eine Krisis muß kommen*). Es wäre die Aufgabe einer verantwortungsbewußten *) Wir möchten uns erlauben zu bemerken, daß wir die Meinung unseres geschätzten Mitarbeiters nicht ganz teilen. Das Kapital, das bisher nach Palästina ging, war solches von Paiästinophiien. Diese werden sich nicht abschrecken lassen. Auch werden die nationalen Fonds bedeutend mehr Mittel haben und investieren können als bisher; auch wird der allgemeine Aufschwung des Landes (gefördert durch Hafenbau, Elektrifizierung usw.) nicht aufgehalten werden. — Die Red.

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