Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Die Arbeiter-Krankenkasse (Kupath Cholim) in Palästina
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 39 (sequence 9)
- Language
- German
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ponenten beider Interessentengruppen (Ärzte und Patienten), die zusammen auf das Wohl der Kranken hinarbeiten. Der Arzt muß vieles von seinen aus Europa hergebrachten Gewohnheiten abstreifen; der Patient muß langsam die Vorteile unserer Arbeitsmethode kennenlernen und sich ihr unterordnen; beides geht nicht reibungslos vor sich, aber in kurzer Zeit gewöhnt man sich aneinander und die Arbeit wird auf ruhige Weise fortgesetzt. Leicht ist die Sache freilich nicht, und Beschwerden gibt es von beiden Seiten wohl genug. Viel leichter ist es, den Patienten mit einer gewissen Summe abzufertigen und ihn übrigens laufen zu lassen. Aber uns ist es eben nicht um die Leichtigkeit zu tun, sondern um die wirkliche Verantwortung für den Kranken. So entstand das Gefüge der K. Ch., das für unsere Krankenkasse so charakteristisch ist: das Mitglied ist ebenso wie der Arzt und das übrige Personal an der Entwicklung der K. Ch. eifrig interessiert, der Verwaltungskörper wird direkt von den Mitgliedern gewählt, das medizinische Personal zum großen Teil beamtet und an nichts anderem als am Kassenmitglied interessiert, am Ausbau eigener Institute, wie . Ambulatorien, Krankenhäuser, Erholungsheime, Zahnambulatorien, physikalischtherapeutische Institute, Fürsorge in den Säuglingsheimen usw. "Wir beabsichtigen auch in nächster Zeit, eine Aufsicht über die großen Küchen in den gemein wirtschaftlichen Siedlungen sowie Aufsicht über die Arbeitsverhältnisse und Arbeitshygiene in den verschiedenen Betrieben einzuführen. Zur weiteren Demokratisierung des Instituts wurde in den letzten Jahren ein Aufsichtsrat eingesetzt, der von den Mitgliedern gewählt wird und in dem auch die Zionistische Exekutive, die „Hadassah", und der „Hapoel hamisrachi" Sitz und Stimme haben. Ein Sitz ist auch für die Arbeitgeber reserviert. Nun ist es klar, daß dieses Riesengebäude unmöglich von den Kassenmitgliedern selbst getragen werden kann, geschweige denn, daß es sich im bisherigen Sinne fortentwickeln könnte. Wir suchten die anderen Faktoren, die für die Gesundheit des Arbeiters verantwortlich sind, zu Beitragsleistungen heranzuziehen. Über die zionistische Organisation und die „Hadassah" wurde schon oben ausführlich referiert. Der Arbeitgeber, der in den meisten Ländern von Gesetzes wegen verpflichtet ist, an der Krankenversicherung der Arbeiter entsprechenden Anteil zu nehmen, konnte leider von unserer K. Ch. nicht ganz erfaßt werden. Erst im letzten Jahre ist hier ein erfreulicher Fortschritt zu bemerken. Allen voran und beispielgebend steht das Rutenbergwerk am Jordan; die Besitzer der großen Fabriken in Haifa wie der großen Orangenplantagen in Jehuda und Schomron beginnen langsam ihrer Pflicht gegen die Arbeiter nachzukommen. Natürlich sind wir vom idealen Zustand noch weit entfernt. Solange wir nicht ein Gesetz für obligatorische Versicherung aller Arbeiter gegen Krankheit haben werden, wird unsere Arbeit, trotz Anspannung aller Kräfte, Sisyphusarbeit bleiben. Vorläufig stehen die lokalen Regierungsbehörden jeder sozialen Einrichtung völlig passiv gegenüber. Die palästinensische Regierung hält es nicht einmal für ihre Pflicht, dort, wo sie als großer Arbeitgeber auftritt — bei den öffentlichen Arbeiten — den entsprechenden Anteil an der Krankenversicherung beizusteuern, was viele kleine und kleinste Arbeitgeber aus freien Stücken tun. Ja, sogar die von jeder halbwegs zivilisierten Regierung geleitete Obsorge für die Gesamtbevölkerung, die elementarsten, sanitären, hygienischen Einrichtungen und die Sorge für Infektions¬ und Geisteskranke, werden von der palästinensischen Regierung arg vernachlässigt. Nicht nur, daß ein Mangel an Spitalsbetten für diese Kranken herrscht, sondern die schon vorhandenen diesbezüglichen Spitäler werden in einer derartigen Weise ge-