Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Die Arbeiter-Krankenkasse (Kupath Cholim) in Palästina
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
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nicht möglich, auf diese für alle Krankenkassen so wichtigen Probleme an dieser Stelle eingehend einzugehen, es möge der Hinweis darauf genügen, daß diese Fragen auf allen Jahrestagungen der internationalen Krankenkassenvereinigung aktuell sind und daß jetzt, wie schon erwähnt, diese Arbeitsmethode von den großen Kassen erstrebt wird. Und auf diese Errungenschaft, ich möchte sie als die wichtigste bezeichnen, soll nun die K. Ch. verzichten? Für Rationalisierung und Zentralisierung des ganzen Medizinalwesens im Lande ist die K. Ch. immer eingetreteil und hat dafür jederzeit gekämpft. Aber Rationalisierung kann für keinen Fall Aufgeben der Eigenart eines jeden Instituts, für keinen Fall Massenbetrieb bedeuten, soll für keinen Fall eigene Initiative lähmen. Rationalisierung bedeutet Vermeidung von doppelten Instituten im wahren Sinne des Wortes, Verbilligung der Betriebe, Zusammenarbeiten aller Institute in gemeinsamen Angelegenheiten, deren es sehr viele gibt, Vermeidung von Mißverständnissen und Kompetenzstreitigkeiten unter den einzelnen Instituten, Kontrolle der Institute und Überprüfung der Budgets und vor allem Führung einer gesunden Politik von einer zentralen Stelle aus gegenüber dem Jischuw, der Regierung und der nichtjüdischen Bevölkerung, Zentralisierung aller Fürsorgeinstitute und nicht zuletzt Aufklärungsarbeit auf breiter Basis in medizinisch-hygienischer Hinsicht. Für eine derartige zentrale Instanz ist die K. Ch. immer eingetreten und würde sich ihr willig unterordnen. IL Es wird wohl das breite zionistische Publikum auch interessieren, wodurch die Beteiligung der Zionistischen Exekutive an dem Budget der K. Ch. begründet ist, wie lange und in welchem Ausmaße sie fortgesetzt werden wird. Die Antwort wäre einfach, wenn man die Kassenmitglieder mit der anderen Bevölkerung in Vergleich Betzen würde. Es müßte also das Budget der „Hadassah" und die Zahl der Unbemittelten und ihrer Familienangehörigen einerseits mit dem Budget der K. Ch. und der Zahl der ihr angegliederten Mitglieder mit ihren Familienangehörigen (zirka 30.000 Seelen) anderseits verglichen werden, um auf rein rechnerischem Wege den Aufteilungskoeffizienten des Jahresbudgets beider Institutionen zu finden. Natürlich muß beim Budget der K. Ch. nur der Teil der Ausgaben, der auf medizinische Hilfe entfällt, eingestellt werden, dazu müssen noch die Naturalleistungen der „Hadassah" an die K. Ch. in Form von Spitalsbetten zugerechnet werden, vorausgesetzt, daß die K. Ch. an die „Hadassah" für die Krankentage in ihren Spitälern nichts bezahlen würde. Daß die zionistische Organisation an der Existenz der K. Ch. als Versicherungsinstitut der Arbeiter gegen Krankheiten und als Institut, das sich 70% seiner Ausgaben im Lande selbst holt, direkt interessiert sein muß, wurde schon oben erwähnt. Die K. Ch. begnügt sich aber nicht mit dieser Feststellung und mit diesem Vergleiche mit den Nichtkassenmitgliedern, da sie ja auf dem Prinzip der Selbsthilfe beruht. Anderseits arbeitet die K. Ch. in Palästina unter solchen Bedingungen, die enorme Geldmittel erfordern. Der Charakter des Landes als Immigrationsland, die Akklimatisierung der Neueingewanderten an das neue, ungewohnte subtropische Klima und an die neuen Lebensbedingungen, die hohe Morbidität, insbesondere die starke Verbreitung der Infektionskrankheiten, allen voran die Malaria, die schlechten sanitären Verhältnisse im Lande, die völlige Gleichgültigkeit der Mandatarmacht sanitär-hygienischer Fragen gegenüber, das starke Bedürfnis des jüdischen Arbeiters nach Erholungsmöglichkeit, die zeitweise auftretende Arbeitslosigkeit, die Tatsache, daß die neuen Siedlungspunkte in den meisten Fällen nicht mehr als 60 bis 100 Seelen enthalten, demzufolge ein Arzt bei angestrengter Arbeit für