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Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Das Malariaproblem in den jüdischen Siedlungen Palästinas
Date
1929-10-01
Page
Seite 26 (sequence 5)
Language
German
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M. R. U. war die Organisation und Erhaltung eines permanenten Kontrollapparats von etwa 14 Sanitätsgehilfen, die tagaus, tagein das Gebiet um die jüdischen Siedlungen herum absuchten, das Wasser in den Bewässerungsgräben regulierten, die Anopheleslarven mit Petroleum oder Schweinfurtergrün töteten und von Zeit zu Zeit Reinigung wie Ausbesserung an den Wassergräben, Tümpeln usw. vornehmen ließen. Als Ergänzung hierzu diente die Ausräucherung der Anophelesmücken in den Wohnungen während der Wintermonate. Nur die eine oder andere der hier aufgezählten Arbeiten, die mit der M. R. U. in Zusammenhang gebracht wurden, ist für die Einwohner eine — seltene — Belästigung, die anderen tangieren das Alltagsleben des Siedlers gar nicht oder sind ihm willkommen, entweder sofort — als Einnahmsquelle (Bezahlung für getane Arbeit) oder später (größere Bodenerträge). Vom Standpunkte rationeller Malariabekämpfung sind sie jedoch nur ein Teilprogramm. Manche Malariaepidemiologen legen auf dieses Teilprogramm geringen, andere größeren Wert. Es gibt Länder oder Orte und Gelegenheiten, wo man mit der in Palästina angewandten Methode — das heißt Bekämpfung der Anophelenb r u t — glänzende Erfolge erzielen kann. Die Sanierung Jerusalems, das früher stark malariaverseucht und jetzt malariafrei ist, ist durch die im Prinzip gleiche Methode — die Schließung der Zisternen und daher Wegnahme aller Brutgelegenheiten — glänzend gelungen8). Aber wie unendlich einfach lagen die Verhältnisse in Jerusalem in Vergleich mit den Verhältnissen in Hedera oder Emek Akko, Emek Hajarden und Galiläa oder sogar nur in dem durch viele Tausende von Pfunden teilweise assanierten Nuris (:= Ostemek)9). In Jerusalem — eine begrenzte und wohlbekannte Zahl von Brutstätten auf engem Territorium bei dichter Bevölkerung. Ein ernster Druck der Regierung und der Erfolg war sicher. Auf dem Lande unendliche Zahl von Brutgelegenheiten, die man kennt oder nicht kennt, die heute nicht da sind und morgen entstehen, oder die immer da sind und jedem Eingriff einstweilen unzugänglich sind. Stopft man heute das eine Loch, morgen ist ein zweites und drittes da. Es ist eine Sisyphusarbeit, die nur in manchen Teilen des Landes gelingen kann und dort nützlich ist, in anderen prinzipiell aussichtslos und überflüssig ist. Die Schwierigkeiten der Brutstättenkontrolle wurden in Palästina anfangs sehr stark unterschätzt, obwohl es nicht an Warnenden gefehlt hat. — Man achtete nicht auf die Malariagefahr bei Auswahl des Platzes für neue Siedlungen und legte sie gegen jede Vernunft und Erfahrung in der Niederung, im Sumpf oder in dessen Nähe (z. B. Beth-Alpha oder Ejn-Harod) an, statt die Höhe zu suchen. Man glaubte, daß die Überwachung der Brutgelegenheiten eines schmalen Gebietstreifens in der Umgebung des Ortes und die Tötung der Anopheleslarven innerhalb dieses Streifens genügt, um die Malaria von dem Orte fernzuhalten. Von Jahr zu Jahr überzeugte man sich immer mehr, daß dieser Streifen breiter und breiter sein müßte. Je breiter jedoch dieser Streifen, um so schwieriger die Aufgabe, desto unübersichtlicher das Terrain und desto größer die Zahl der zur Überwachung nötigen Sanitätsgehilfen. Man achtete nicht darauf, daß dem Wohnbau in Malariagegenden eine ungeheuer 8) Dieser Weg wurde im Jahre 1912 von einem deutschen Gelehrten, Professor Mühlens, angegeben; aber erst die englische Verwaltung führte den Plan aus. 9) Im Emek hat der „Jüdische Nationalfonds" in den Jahren 1920 bis 1924 eine partielle Assanierung eines 332 ha umfassenden Terrains um den Betrag von 32.000 ägypt. £, also über eine Million österr. Schilling, ausgeführt. Im Jahre 1927 sind die Dränagearbeiten im selben Gebiet (und zwar in Nuris) fortgesetzt worden und sind noch nicht zu Ende.

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