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Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Das Malariaproblem in den jüdischen Siedlungen Palästinas
Date
1929-10-01
Page
Seite 27 (sequence 6)
Language
German
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wichtige Bedeutung zukommt, und zimmerte elende „provisorische" Baracken zusammen, die infolge der vielen Löcher und Spalten dem Siedler keinen Schutz gegen die Anophelen boten. Man achtete nicht darauf, daß in Malariagegenden das Schlafen ohne Bettnetz ein Verbrechen an der Gesundheit der unwissenden Einwanderer und Chaluzim ist. Man vernachlässigte gänzlich die mechanische Prophylaxe10) in und außer Haus. Man lehnte auch die Chininprophylaxe ab, obwohl erfahrene Ärzte des Landes die negativ ausgefallenen palästinensischen Versuche als nicht beweisend ablehnten. Die Stimme der Ärzte wurde weder hier noch dort berücksichtigt, und in Malariaangelegenheiten war lediglich die mit Geld ausgestattete, bis zum Jahre 1926 nicht ärztlich geleitete M. R. U. als Berater der Institutionen und der Bevölkerung maßgebend. Die Erfahrungen in anderen Ländern lehrten, daß man sich bei Bekämpfung der Malaria nicht auf eine Methode verlassen darf. Man muß bei jeder Methode mit Fehlern und Versagern rechnen. Es ist weder möglich, alle Anopheleslarven zu treffen und zu töten, noch alle fliegenden Anophelesmücken von Haus und Mensch fernzuhalten, noch jeden gebissenen Menschen durch Chinin vor der Erkrankung zu schützen und im Erkrankten die Malariaparasiten zu zerstören und Weiterinfektionen zu verhindern. Daher muß man gleichzeitig mehrere Methoden anwenden. Wo die eine versagt, hilft die andere. Die Erfahrungen in den Subtropen und Tropen lehrten weiter, daß Europäer besonders sorgfältig geschützt werden müssen. Sie sind viel empfänglicher als die Eingeborenen und widerstandsunfähiger. Um so mehr gilt das für Palästina, wo der nicht akklimatisierte Europäer nicht in gehobener, bequemer sozialer Stellung lebt, sondern schwere körperliche Arbeit unter ungünstigen Bedingungen leistet. — Auch dies ist von großer Bedeutung. Die jüdischen Siedlungen befinden sich in Nachbarschaft von Arabern, von Fellachendörfern, wie von nomadisierenden Beduinen. Die Malariabekämpfung stößt bei den Arabern auf einstweilen unüberwindliche Schwierigkeiten. Weder Behandlung (in genügendem Ausmaß) noch Prophylaxe ist durchführbar. Daher genügt die Assanierung des jüdischen Bodens nicht zur Fernhaltung der Malaria. Aus der Nachbarschaft können stets genügend infizierte Anophelen angeflogen kommen. Daher ist der sorgfältige mechanische Schutz der Juden eine Notwendigkeit. Es ist richtig, die mechanische und die Chininprophylaxe sind für die Bevölkerung unangenehm und lästig. Es ist nicht angenehm, nach getaner Arbeit, am Abend, im Zimmer zu sitzen; im Freien ist es angenehmer. In der Hitze des Ostemek oder Daganias ist es abends nicht angenehm, Handschuhe und Kopfschleier anzulegen oder das Gesicht und Hände einzufetten und in unten geschlossenen Hosen im Freien zu sitzen oder zu liegen. Es ist angenehmer, in Jisr11) ohne Bettnetz zu schlafen als unter dem Netze, speziell, wenn das Bettnetz nicht richtig konstruiert ist. Vor allem ist die Differenz groß in der ersten Zeit, in den ersten Tagen und Wochen. Später gewöhnt man sich daran. — Es war niemand, der dem Chaluz und Kolonisten durch diese ersten Wochen geholfen hätte, der diese erzieherische Arbeit auf sich genommen hätte. Folgendes soll nicht verschwiegen werden. So intelligent und einsichtsvoll die jüdische Bevölkerung im allgemeinen ist, so gerne man im Erkrankungsfalle zum Arzt rennt und zur Übertreibung, zur Hypochondrie neigt, so nachlässig und indolent ist man in der Verhütung der Erkrankung, in der Gesundheitsprophylaxe. Dies hat die M. R. U. gewußt und hat offenbar 10) Verdrahtung von Türen und Fenstern, Bettnetze usw. A1) Unterhalb der Ruthenbergstation. Die am tiefsten unter dem Meeresspiegel liegende jüdische Siedlung.

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