Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Das Malariaproblem in den jüdischen Siedlungen Palästinas
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 3)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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(gegenüber 100 bei unveränderter Zahl Versicherter im Jahre 1926). Die in anderen (nicht jüdischen) Polikliniken behandelten und die von Privatärzten behandelten Fälle sind hier nicht gezählt. Im Emek-Jesreel (ohne das Akko-Gebiet) gab es im Laufe des Jahres 1927 über 900 Erkrankungen auf eine Bevölkerung von etwa 5000 Einwohnern. Im Nuris (330 Erkrankungen auf etwa 1500 Individuen), wie im mittleren Emek (320) war die Zahl der Fälle etwa zweimal so groß wie im Jahre 1926. Am meisten litt die östliche Flanke des Nurisgebietes Beth-Alfa (129), ferner Ejn-Harod (106), das Arbeiterlager in Afule (89), Nagingad, Zrifin und von den neuen Siedlungen4) Kfar-Yehoschuah, Baruch, Kneifes und Abu-Schuscha. Über diese letzteren Siedlungen ist die Epidemie im Juni und Juli hinweggegangen. Sehr schwer wurden die Siedlungen im Akko- Gebiet betroffen. Die Chassidim in Nachlat-Yakob an unteren Kischon hatten 22 Neuerkrankungen pro 100 Seelen, genau so viel wie im Jahre 1925, während 1926 hier fast malariafrei war. Ebenso ging es in den Monaten Juni und Juli Achwa Jagur, Nesher und der Kewuzat Hapoaloth am Fuße des Karmel. Südlich von Haifa ging es lediglich Zichron Jacob besser als im Jahre 1926. In Benjamina kamen auf 100 Individuen 60 Erkrankungen im Laufe des Jahres. In Hedera erkrankten allein im Juli 260 Personen, das heißt 17% der Gesamtbevölkerung. Wie gewöhnlich und sonst erkrankten vor allem Arbeiter, weit weniger die eingesessenen, immuneren Kolonisten5). Prozentual (und selbstverständlich auch absolut) war die Morbidität Hederas im Juli 1927 höher als in irgendeinem Monat eines der Jahre 1922 bis 1927. In Gan-Schmuel (in der Nähe von Hedera) haben von den Erwachsenen alle mit einer Ausnahme im Jahre 1927 Malaria durchgemacht. Von den Kindern dieser Kolonie war nur ein kleiner Teil erkrankt, eine Erscheinung, die wir überall in den Kwuzot sehen, wo für die Kinder durchaus besser gesorgt wird als für die Erwachsenen. Die Kinder wohnen in guten Häusern oder verdrahteten Baracken und schlafen unter Bettnetzen, während die Erwachsenen in schlechten Baracken hausen und über wenige Bettnetze verfügen. In Karkur, etwa 12 km nordöstlich von Hedera, erkrankten auf 100 etwa 90. In Petach Tikwah war die Situation nicht ungünstig. Im Audjagebiet, in der Nähe von Tel-Aviv, und im nördlichen Teil von Tel-Aviv gab es im Jahre 1927 weit mehr Malaria als in den vorausgegangenen Jahren. Ansonsten war der Süden Palästinas (mit den hier gelegenen großen Kolonien Rischon le Zion, Rechoboth usw.) nach wie vor malariaarm. Diese Übersicht spricht für jeden, der die Malaria kennt, eine beredte Sprache. Die Malaria untergräbt die Gesundheit und Arbeitskraft der Menschen, sie disponiert zu verschiedenen Krankheiten, setzt die Strapazfähigkeit herab und erzeugt vorzeitige Invalidität. Die Malaria eines wohlgenährten, bequem lebenden Menschen ist etwas ganz anderes als die Malaria des schlecht genährten, arbeitenden Menschen. Die Malaria ist viel mehr als Sache des Einzelindividuums. Wenn manche Kolonien in verseuchten Gegenden 20 bis 25% der Arbeitstage verlieren, wofür eine der Hauptursachen die Malaria ist, so ist es klar, daß diese als soziale Erscheinung die 4) Ende 1926 oder Anfang 1927 gegründet. 5) Im Laufe des ganzen Jahres wurden in Kolonistenfamilien von Hedera etwa 40, in der Jemenitensiedlung etwa ebensoviel und bei den Arbeitern über 70 Erkrankungen pro 100 Individuen gezählt. Es handelt sich um Differenzen in der Erkrankungshäufigkeit, die durch Neuinfektion bedingt ist, weit mehr noch um Differenzen in der Häufigkeit von Rezidiven. Letzteres ist nicht Folge ungleicher Therapie — denn ein und derselbe Arzt behandelt Kolonisten wie Arbeiter — sondern Folge ungleicher Lebensweise (das heißt ungleicher Widerstandsfähigkeit) und ungleich häufiger vorheriger Infektionen.