Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Die Säuglings-, Kleinkinder- und Schwangerschaftsfürsorge in Erez Israel
Date
1929-10-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2379786-2379874-2379881-2390051--09656-2390195
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mit ungeheurem Tempo vorwärts. In den Städten und größeren Kolonien entwickelte sich allmählich unter der Leitung der Hadassa Medical-Organisation ein gut ausgebautes Infant-Welfare-Work. Im Jänner 1922 wurde in Jerusalem die erste Säuglingsfürsorgestelle wieder eröffnet, fast am selben Platze, wo vor dem Kriege die Errichtung der ersten Mutterberatungsstelle geplant war. Gemäß den Ideen des Hauptstifters und Förderers dieses Fürsorgefonds, des Philanthropen Nathan Strauß, faßten die ersten Fürsorgestellen ihre Aufgabe noch im Sinne der Organisation „Goutte de lait" auf; wiewohl sich bald zeigte, daß für Milch abgäbe für die Säuglinge oder gar für Stillprämien an die Mütter hier kein Platz ist. Eine Idee aber, die Nathan Strauß in Amerika durchgefochten hat, blieb als Grundstock der sich nun allmählich entwickelnden Fürsorgestationen übrig, die Propaganda der hygienisch einwandfreien Milch. Bald reihte sich dieser ersten Station eine weitere Station in Jerusalem an, und diese Stationen einer Organisation „Goutte de lait" wurden zu Mutterberatungsstellen. 1923 wurde die dritte Fürsorgestelle in Jerusalem eröffnet. Im Jahre 1924 hatte die „Hadassa Medical-Organisation" (H. M. 0.) in ihrer Schwesternschule in Jerusalem schon die ersten Schwestern aus dem Lande herangebildet. Die gleichzeitige Ausbildung dieser Schwestern zu Recherchendamen und Fürsorgerinnen ermöglichte es der H. M. O., jetzt schon an die Schwangerschaftsfürsorge heranzutreten. In medizinischen und Fürsorgefragen wurde das Infant-Weifare-Work durch den jeweiligen Leiter der Kinderabteilung des Rothschild-Hospitals geleitet. Ein Berliner Kinderarzt, Dr. Ernst Wolff (jetzt S. Francisco) war quasi die Brücke, die von den Vorkriegsarbeiten zu den Arbeiten von 1922 und weiter führte; denn er war einer meiner Mitarbeiter, die auf dem Zionistenkongreß in Wien im Jahre 1913 mit mir die Pläne für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in Palästina ausgearbeitet hatten. Im Jahre 1924 errichtete das Infant-Weifare-Work der H. M. 0. eine vierte Fürsorgestation in Jerusalem, im Mai die fünfte Stelle in Tiberias, die sechste in Rechoboth, im November die siebente in Petach Tikwah. Zu gleicher Zeit hatte sich aus der phantastischen Entwicklung Tel-Avivs die Notwendigkeit ergehen, den jungen Einwohnern dieser Stadt fürsorgerischen Beistand zu leisten. Da die kommunalen Verwaltungen, die in anderen Ländern die Träger der Fürsorge sind, hier noch nicht in der Lage sind, der Frage der Fürsorge ihre Aufmerksamkeit schenken zu können, so mußten auch in Tel-Aviv andere Organisationen das Gebiet der Säuglingsfürsorge mit in ihr Arbeitsfeld ziehen. In Tel-Aviv errichtete die W. I. Z. 0. (Zionistische Frauenweltorganisation) im Jahre 1924 zwei Fürsorgestationen. Ebenso wie die H. M. 0. unter Nachahmung amerikanisch-europäischer Fürsorgebestrebungen an das Problem der Säuglings- und Schwangerschaftsfürsorge in Palästina herangetreten war, so versuchte die W. I. Z. 0. an der Hand der Beispiele in England und Neuseeland das Problem in Palästina zu lösen. Beide Organisationen zwang das subtropische, dreiteilig verschiedene Klima Palästinas, ferner der ausschließliche und unerhört lange Stilldrang der Mütter, die stark daniederliegende Wohnungshygiene und der mangelnde Bildungsgrad der eingeborenen und aus Asien zugewanderten Bevölkerung zu einer spezifisch palästinensischen Ausbildung der Fürsorgeart. Heute besteht kaum ein Unterschied mehr zwischen den Fürsorgestationen der H. M. 0. und jener der W. I. Z. 0., mit Ausnahme des TJmstandes, daß die Fürsorgestationen der W. I. Z. 0. die Schwangerschafts- und Klcinkinderfürsorge ganz der H. M. 0. überlassen. Außerdem besteht zwischen der Histadruth Naschim Ivriot (Frauenorganisation) und der H. M. 0. ein gewisses Gegenseitigkeitsverhältnis, das sich darin ausdrückt, daß die Histadruth Naschim die Abgabe von Milch an stillende Mütter und zufüttertmgsbedürftige Säuglinge in den Stationen der H. M. 0. durchführt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.