Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 78 (sequence 9)
- Language
- German
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Nur auf Grund dieser Vorkommnisse sind die Radauszenen zu begreifen, welche die unmittelbar nach den Wahlen einberufene (und oben schon erwähnte) Tagung der Assefath Haniwcharim verunstaltet und beinahe einen vollen Tag in ihren Arbeiten gestört haben. Der Anlaß war ein absolut geringfügiger und gerade deshalb so tief betrübender: die Zusammensetzung des Präsidiums der Versammlung. Revisionisten und Sephardim machten aus dieser Frage — der Waad Leumi hatte ein dreigliedriges Arbeitspräsidium vorgeschlagen — eine Angelegenheit des Prestiges allererster Ordnung. Zu verstehen ist dies, was die Sephardim anbetrifft, aus ihrer vorhin gekennzeichneten Psychologie, und Was Jabotinsky anbetrifft, möglicherweise aus einem krankhaften Geltungsbedürfnis dieses immer mehr in den Hintergrund gedrängten Mannes. Wie dem aber auch sei: daß es zu Obstruktions- und sogar zu Prügelszenen gekommen ist, daß die erste Nachtsitzung schließlich nur mit polizeilicher Hilfe geschlossen werden konnte, und daß dies alles nicht wegen der Frage der Jewish Agency selbst oder wegen der palästinensischen Delegation für sie, sondern um der Zusammensetzung des Präsidiums willen geschah, dies ist kein Ruhmesblatt in der parlamentarischen Geschichte des Jischuw. Hoffen wir, daß die nächste, neugewählte Assefath Haniwcharim, die nicht erst nach wieder S1^ Jahren zusammentreten möge, die jüdische Bevölkerung Palästinas sachlicher und würdiger vertrete! Die Ergebnisse der Kongreßwahlen und der Wahlen zur palästinensischen Delegation in die Jewish Agency wird man gut tun, gemeinsam zu betrachten. Die Kongreßwahlen zeigten bei etwas stärkerer Wahlbeteiligung als 1927: zirka 75%, daß die Arbeiter, samt ihrem jeminitischen Anhang, weit mehr als die Hälfte aller Stimmen und Mandate (18) gewinnen konnten, was selbst gegenüber den vorigen Wahlen (15 Mandate) einen erheblichen Erfolg bedeutet. Von den bürgerlichen Parteien haben Misrachi und Revisionisten die verhältnismäßig meisten Stimmen und Mandate — je drei — wahrend die Rechtsgruppe der „nationalen Bürger" mit nur einem statt satt früher vier Mandaten aus dem Wahlkampf hervorgeht. Auch das eine demokratische Mandat gegenüber nur zwei allgemein zionistischen läßt auf den Ruck nach links schließen, der anderseits dem Misrachi, infolge seines Bündnisses mit dem Hapoel Hamisrachi, nur verhältnismäßig wenig abträglich gewesen ist. Bei der Jewish Agency-Delegation seitens der Assefath Haniwcharim zeigten die Arbeitergruppen ein weises Maßhalten und beanspruchten statt der ihnen, mindestens auf Grund der Kongreßwahlen, zustehenden etwa drei Fünftel nur ein Drittel der sechs Mandate. Die übrigen überließen sie bedeutenden Einzelpersonen, wie B i a 1 i k, oder den anderen Gruppen: allgemeinen Zionisten, Sephardim, Misrachi usw. Leider folgten gerade die kleinen Gruppen, außer den Demokraten, nicht dem staatsbürgerlichen Beispiel der mächtigsten Partei des Landes, sondern beinahe alle, die sich übergangen glaubten — sogar die lächerliche Fiktion des „Misrachi Hazair" — gaben ultimative oder sogar separatistische Erklärungen ab, deren praktischen Wert man allerdings nicht zu überschätzen braucht. Aber noch eine andere, viel grundsätzlichere Frage spielte in die Personenauswahl hinein; sie kam in einer telegraphischen Bitte der Londoner Zionistischen Exekutive zum Ausdruck, nicht gerade prominente zionistische Führer oder Organisationsbeamte als palästinensische Landesvertreter in die Agency zu entsenden, sowie einen der sechs Plätze einem Vertreter der Agudath Jisrael frei zu halten. Beide Vorschläge wurden, unseres Erachtens bedauerlicherweise, scharf abgelehnt, der erste aber wenigstens in der Praxis einigermaßen beachtet. Hier steckt eine Schwierigkeit, die auch der Kongreß durchdenken sollte: es kann uns gar nichts daranliegen, den zionistischen Teil der Agency allzu-