Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 79 (sequence 10)
- Language
- German
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sehr auch in die „anderen" 50% hineinzuschmuggeln, wenn wir dadurch etwa eine geringere moralische und finanzielle Verantwortlichkeit eben jener Bundesgenossen bewirken sollten. In der gleichen Linie liegt der „Verzicht" der Joint-Kreise, sich an der Bildung der neuen Palästinaexekutive zu beteiligen, über den sich die letzte Auktionskomiteesitzung nicht genug freuen konnte. Der Kongress sollte im Gegenteil, wenn auch nicht gerade darüber trauern, so doch diesen, wie uns scheint, nicht ganz ungefährlichen Entschluß noch zu ändern versuchen, damit wirklich die neue Aufbauepoche neue wirtschaftliche Möglichkeiten schafft. Daß sich das hebräische und soziale Gesicht des Jischuw dabei nicht ändert, dafür wird er schon an Ort und Stelle selbst am besten sorgen. (Abgeschlossen am 1. Tamus 5689, 9. Juli 1929.) GcistlgCS Lebeil» Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem. Die Regierung hat soeben ihren Jahresbericht über die Tätigkeit des Erziehungsdepartements im Schuljahre 1927/28 herausgegeben*). Der Ton des diesmaligen Erziehungsberichtes ist ein anderer als der des vormaligen. Zunächst fehlen vollkommen Richtlinien der allgemeinen Erziehungspolitik (die vielleicht nur einmal dargelegt werden mußten), es fehlt auch die Prognose, welche die Regierung selbst der Erziehung stellt. Doch scheint die Prognose ungünstiger geworden zu sein; das Erziehungswerk der Regierung, das im wesentlichen identisch ist mit dem Erziehungswerk bei den palästinensischen Moslems, hat sich im letzten Jahre in keiner Weise entwickelt und den wenigen Neueröffnungen von Schulen stehen mehrfach Schließungen gegenüber. Vergleicht man die Statistik der Regierungsschulen von heute etwa mit der von 1922, so muß man feststellen, daß eine Entwicklung kaum stattgefunden hat. Der Schulbesuch in den Dorfschulen, über den sich der vorige Bericht noch sehr optimistisch äußerte, hat nachgelassen. Die Regierung schreibt dies zum Teil der Tatsache zu, daß bei Eröffnung der Schulen nach dem Kriege vielfach auch Kinder im vorgerückten Alter in sie eintraten, um Lesen und Schreiben zu lernen, die aber inzwischen die Schulen verlassen haben. Der regelmäßige Nachwuchs aber ist nicht zahlreich genug und rechtfertigt vielfach nicht mehr die Aufrechterhaltung der Schulen. Anderseits glaubt die Regierung, sich in der Möglichkeit getäuscht zu haben, sechsjährige Schulkurse auch in den Dörfern abhalten zu können. Sie will sich jetzt auf vierjährige beschränken, aber auch hier scheint dieses Ziel noch nicht im Einklang zu stehen mit der Wirklichkeit des Dorflebens, denn der Schulbesuch sinkt rapid schon nach dem ersten Schuljahre und im vierten Schuljahre findet sich nur noch ein kleiner Prozentsatz der Kinder, die im ersten Jahr eingetreten sind. In den Regierungsschulen in den Städten steht es um den Schulbesuch viel besser und in den Schulen der Zionistischen Exekutive, welche der Bericht hier als Gegenbeispiel anführt, ist die Verminderung der Schülerzahl mit den aufsteigenden Klassen eine völlig normale, wohl auch wenn man sie mit europäischen Verhältnissen vergleicht. Im ganzen glaubt die Regierung als Grund des mangelnden Erfolges ihrer Schulpolitik in den Dörfern nicht ein geringes Bildungsstreben der Dorfbewohner anführen zu müssen, vielmehr sind wirtschaftliche Verhältnisse die Ursache. (Interessant ist, daß sich nicht selten Dorfkinder finden, die, um eine höhere Ausbildung zu erlangen, in die Städte gehen. So leben derartige Kinder z. B. in Nablus in furchtbaren Um- *) Wir bringen oben einen Artikel über dieses Thema von Dr. Menasche ben Ephraim mit den ausführlichen Daten. Die Ausführungen Dr. Bergmanns befassen sich mehr mit den inneren Schulfragen.