Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 76 (sequence 7)
- Language
- German
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Mit aus diesem Grunde erwartet beinahe ganz Palästina vom kommenden Kongreß die Rückkehr zu dem System einer Koalitionsexekutive, natürlich unter gewissen sachlichen Bedingungen. Vor Kongreß- und Agency-Tagung. Palästina hat 29 Delegierte zum Kongreß senden können, was etwa 37.500 Scheckein entspricht. Schon die Betrachtung dieser Zahl, etwa im Vergleich zu der der eingeschriebenen erwachsenen Mitglieder der Kenesseth Jisrael, ist lehrreich: nicht sehr viel mehr als ein starkes Drittel von diesen haben den Schekel entrichtet. Nim ist man allerdings laut palästinensischem Gemeindegesetz automatisch Mitglied der Kenesseth Jisrael, wenn man nicht ausdrücklich aus ihr ausscheidet, während man den Scheckel bekanntlich erwerben muß: das Gesetz der Trägheit wirkt also für die Gemeindeorganisation und gegen den Schekel. Immerhin bleibt es als bedauerliche Tatsache bestehen, daß auch von dem mehr oder minder bewußt nationalen Jischuw — die separatistischen Kreise der Agudath Jisrael also nicht mitgerechnet — sich nur ein verhältnismäßig so kleiner Teil zu der primitivsten zionistischen Organisationsform entschließen konnte. Eine weitere Lehre gab der Wahlkampf selbst, der zunächst freilich ziemlich ruhig verlief, sich aber dadurch auszeichnete, daß nicht weniger als zehn Listen gegeneinander standen. Nur die Linke hatte es fertiggebracht, in einer einheitlichen und machtvollen Organisation aufzutreten, und wenn es neben der einen großen Arbeiterliste, in der sich Hapoel Hazair und Achduth Haawodah zusammenfanden, noch eine (mit ihr verbundene) Liste der jemenitischen Arbeiter gab, so nur aus wahltaktischen, nicht aus prinzipiellen Gründen. Immerhin ähnlich war es auf der rechten Seite gelungen, den allgemeinen Misrachi und seine Arbeiterschaft, den Hapoel Hamisrachi, die noch das vorige Mal getrennt marschierten, diesmal zu einer einheitlichen Liste zu vereinigen, allerdings spaltete sich eine, zwar völlig bedeutungslose Wirtschafts-reaktionäre Zwerggruppe, „Hamisrachi Hazair", zu. einer eigenen Liste ab, die es in ihrem Separatismus soweit trieb, ihre Stimmen lieber verlorengehen zu lassen, als sich mit einer anderen Liste zu verbinden. Die Gruppen der bürgerlichen Mitte zerfielen weiterhin in Revisionisten, allgemeine Zionisten, allgemeine zionistische Demokraten, von ihren Nachbarn insbesondere durch eine entschiedenere Stellungnahme für das Prinzip der jüdischen Arbeit und durch das Fehlen jeder bürgerlichen Klassenkampftendenz gegen links unterschieden, die Vereinigung der „nationalen Bürger", die mit den allgemeinen Zionisten, ebenso wie die allgemeine jemenitische Liste sowie noch eine berufliche Interessengruppe, verbundene Gruppe der rechtsbürgerlichen Klassenkämpfer. Die Parteiprogramme und die Wahlaufrufe bewegten sich vor allem um die beiden Fragen der Jewish Agency, deren Erweiterung allseitig, natürlich mit Ausnahme der Revisionisten, bejaht wurde, und um die jüdische Arbeit im Lande, die von den bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Demokraten weniger entschieden verfochten wurde als noch bei der letzten Wahl. Hierzu kam etwa noch der Vorschlag der Mitte, einen besonderen Erziehungsfonds, Keren ha Chinuch, zu begründen. Auffällig ist demgegenüber insbesondere die negative Tatsache, daß zwei Grundfragen des werdenden Palästinas, das Araberproblem und die inhaltliche kulturelle Fundierung, über den formalen Hebraismus hinaus, immer nur von den Parteien berührt wurden, die darin eine ihnen speziell zufallende Aufgabe sehen: also von Misrachi das Kulturproblem, von den Revisionisten die Araberfrage. Die einzige andere Gruppe im Jischuw, die sich über diesen letzten Punkt sonst noch programmatische Gedanken macht, der Brith Schalom, trat mit