Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1929-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1929) · p. Seite 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-07-01
Page
Seite 75 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379874-2379880-2389732--09475-2389947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den schon erwähnten Symptomen ist noch zu erwähnen, daß nunmehr die Frage der zahlreichen besonderen Fonds, die in ihrer Mannigfaltigkeit und Spezialisierung dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth eine immer gefährlicher werdende Konkurrenz machen, von der Exekutive energisch in Angriff genommen zu werden scheint. Sie war eine der Hauptgegenstände auf der ersten Pressekonferenz des Keren Hajessod, hat nachher mehrere interfraktionelle Sitzungen beschäftigt und wird hoffentlich auf dem Kongreß eine allseitig befriedigende Lösung finden. In dem gleichen Zusammenhang gehört eine Nachricht, die wissen will, daß die Hadassah als medizinische Abteilung von der Zionistischen Organisation übernommen werden soll, damit würde ein gefährliches Kapitel zionistisch-separatistischer Politik sein Ende gefunden haben, hoffentlich ohne finanzielle Mehrbelastung der Organisation. Gerade Miß S z o 1 d, die heute als führendes Mitglied der Palästinaexekutive an deren Stärkung arbeitet und anderseits als langjährige Leiterin und Fiihrerin der Hadassah deren Eigenleben kennt, dürfte die gegebene Persönlichkeit sein, um dieses an und für sich so wichtige zionistische Werk wieder der zionistischen Gesamtdisziplin einzugliedern. Miß Szold ist es ja auch, die sich, unterstützt vom Direktor der Erziehungsabteilung, Dr. B e r k s o n, seit langem um eine einheitlichere und festere Schulverfassung bemüht, welche die Kompetenzen der zionistischen Leitung, der verschiedenen (zum Teil parteiisch gebundenen) Aufsichtsbehörden, der Regierung, der Lehrerorganisation, des Erziehungsbeirates (Waad Hachimuh) usw. klarer abgrenzt als die bisherige. Eine weitere Pressekonferenz des Keren Hajessod war diesem Thema gewidmet und brachte einige, wenn auch nicht völlige Klarheit über die neuen Pläne. Danach beabsichtigen die heutigen Leiter des Schulwesens, es nach dem Kongreß der palästinensischen Jewish Agency zu übergeben, das heißt also, es weder der Aufsicht der Regierung gänzlich zu unterstellen, was eine finanzielle Erleichterung, aber eine mögliche Gefährdung seiner inneren Autonomie bedeuten würde, noch auch es der palästinensischen Judenheit, also dem Waad Leumi, zu überantworten, da der Jischuw weder finanziell noch in bezug auf den Reifegrad seinei Gemeinschaftserziehung weit genug sei, um die Sorge für das hebräische Schulwerk verantwortlich zu übernehmen. Im Innern der Schulorganisation selbst soll eine straffe administrative Zentralisation bei kultureller Autonomie der drei großen Hauptgruppen (Arbeiterschulwerk, allgemeines Schulwerk, Misrachi-Schulwerk) erstrebt werden. — Dieses an sich billigenswerte Programm muß sich nur vor der Gefahr der formalen Demokratie hüten, die nirgends unangebrachter ist, als gegenüber kulturellen oder gar religiösen Werten. Man kann nicht den inneren Aufbau eines Schultyps vollkommen an einen anderen angleichen, nur weil die Uniformität des Verwaltungsbetriebes und eine gewisse administrative „Gerechtigkeit" es zu verlangen scheinen. Wirkliche Gerechtigkeit, das heißt also auch wirkliche administrative Zentralisation bei geistiger Freiheit der verschiedenen als berechtigt anerkannten Schultypen, kann nur dann gedeihen, wenn wirklich jedem das Seine, nicht aber dann, wenn nur allen das Gleiche gegeben wird. Um aber wieder eine derartige unschematische Verteilung des Budgets, Stundenzahlen, Lehrerposten usw., zu ermöglichen, bedarf es einer anderen Stimmung zwischen den verschiedenen Gruppen des Schulwerkes, als sie leider heute, durch Schuld aller Seiten, herrscht. Hier wäre es Aufgabe der Zionistischen Exekutive, in höchstem Sinne ausgleichend, wahrhaft staatsbildend, in der doppelten Bedeutung des Wortes, einzugreifen. Dies wird aber niemals eine einseitig zusammengesetzte Exekutive tun können, die bei allem, zweifellos vorhandenem, Willen zur Objektivität doch eben mit einer der drei Gruppen, und zwar in der Praxis stets mit der mittleren, identisch zu sein pflegt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.