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Palästina · 1929-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1929) · p. Seite 74

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-07-01
Page
Seite 74 (sequence 5)
Language
German
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zu dein radikalen Mittel des gemeinsamen Hungerstreiks gegriffen haben, den sie erst im Büro der Arbeiterorganisation und dann im Rathaus gemeinsam durchführten. Man versucht nun zu einem endgültigen Abkommen zu gelangen — aber bedurfte es dazu wirklich dieses letzten verzweifelten Druckmittels? Der schreckliche Einzelfall stellt, über sich sebst hinausgreifend, das ganze Problem der palästinensischen Sozialpolitik wieder einmal in das Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit. Wir haben in Erez Jisrael weder das mitteleuropäische System: geringe Löhne, doch hohe Sozialversicherungen, noch das amerikanische: hohe Löhne mit Sparchancen, doch keinerlei Sozialversicherungen, sondern ein recht unglücklich gemischtes: keine Sparchancen (beim tatsächlichen Standard des jüdischen Arbeiters, wenn die Löhne auch zahlenmäßig nicht als gering anzusprechen sind) und keine Sozialversicherung. Daß dieser Zustand auf die Dauer unhaltbar ist und zu einer schweren Gefahr für die Sicherheit des Landes werden muuß, wenn erst einmal in größerem Umfange das Problem des „alten Arbeiters" bestehen wird, dürfte auf der Hand liegen. Seiner rechtzeitigen Lösung müßte die größte Aufmerksamkeit der zionistischen Instanzen gelten. Hier ist nun wieder zu bemerken, daß, wie so häufig, auch auf diesem Gebiete die „Allgemeine Arbeiterorganisation" eine Initiative entfaltet, die eigentlich die zentralen Instanzen aufbringen müßten. So hat jetzt die jüdische Arbeiterschaft — der übrigens, nebenbei bemerkt, neuerdings auch die P i c a, nach einem Gespräch ihres Leiters mit den Bauern von Sichron Jaakow, mehr Lebens- und Arbeitsraum in ihren Kolonien zu verschaffen gedenkt als bisher — den Entwurf eines kollektiven Arbeitsvertrages vorgelegt, der zwischen der Arbeiterorganisation einerseits und der Vereinigung palästinensischer Industrieller anderseits geschlossen und auf jeden Einzelbetrieb, der mindestens drei Arbeiter beschäftigt, angewandt werden soll. Der in der Presse wiedergegebene Vorschlag, der von dem ursprünglichen bereits auf Grund eines Briefwechsels mit den Industriellen etwas abweicht, sieht selbst gemeinsame Arbeitsämter vor, die von beiden Seiten paritätisch beschickt und von einem unparteiischen Vorsitzenden geleitet werden sollen, und spricht im übrigen über Kündigungsbedingungen, Probezeit, Arbeitszeit (47 Wochenstunden), Ferien, Sozialversicherung, obligatorische Schiedsgerichte. Würde er durchgeführt, so hätte Palästina sozialpolitisch einen gewaltigen Schritt \orwärts getan, was letzten Endes auch seiner Wirtschaft und deren Arbeitsfrieden zugute käme. Auf alle Fälle ist es aber wertvoll, daß nun schon, auf Grund des Vorschlages, dauernde mündliche Verhandlungen, die noch nicht abgeschlossen sind, zwischen Vertretern der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber geführt werden, und am wertvollsten vielleicht, daß die Zionistische Exekutive, die sich sonst allzuleicht gerade aus wirtschaftlichen Zusammenhängen Palästinas ausschalten läßt, bei diesen Verhandlungen maßgebend vertreten ist (siehe hierüber auf die Rundschau Arbeiterbewegung). Außerdem befaßte sich natürlich auch die am 7. und 8. Juli in Tel- Aviv tagende „Allgemeine Arbeiterorganisation" weiter mit diesen aktuellen Fragen. Sie beschloß außerdem auf dem Kongreß die Bodenfrage, das heißt also den K. K. L. in den Mittelpunkt zu stellen, selbst auf Kosten des K. H., der ja, als Zukunftsfonds der Agency und im Gegensatz zum K. K. L. seinen rein zionistischen Charakter verlieren wird. Zionistische Organisation. Die Stellung der Exekutive im Lande hat sich, das dürfen auch ihre Gegner zugeben, im Laufe des letzten halben Jahres nicht unerheblich gefestigt. Neben

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