Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina im Jahre 1927/28
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 45 (sequence 3)
- Language
- German
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jüdische Einwanderung und die starke Tätigkeit der christlichen Missionen zurückzuführen ist, so bleiben doch die Mohammedaner, die über 70% der Bevölkerung ausmachen und die fast ganz auf Regierungsschulen angewiesen sind. Die Zahl der seit 1922 ins schulpflichtige Alter hineingewachsenen mohammedanischen Kinder ist sicher nicht viel geringer als die der Kinder, die inzwischen in jüdischen und christlichen Schulen Aufnahme gefunden haben. Wo erscheinen sie in der Regierungsstatistik? Es ist also festzustellen, daß die Ziffer der arabischen Analphabeten in Palästina infolge der völlig unzureichenden Tätigkeit der Regierung in dauerndem Steigen begriffen ist. Dies mag vielleicht eine Genugtuung für diejenigen sein, die in jeder arabischen Schwäche einen Gewinn der jüdischen Sache erblicken, vom Standpunkt der allgemeinen Interessen des Landes aber, deren Vertretung ja zu den Hauptaufgaben einer Regierung gehört, ist dieser Zustand nur zu bedauern. Die Klagen von mohammedanischer Seite, endlich etwas Ernsthaftes für die Volksbildung zu unternehmen, hören denn auch nicht auf, haben aber, wie wir sehen, bisher zu keinem Erfolge geführt. Der Bericht des Erziehungsdepartements weist demgegenüber darauf hin, daß seine Mittel zu beschränkt seien, um irgendeine großzügige expansive Tätigkeit zu erlauben. Wie im Vorjahre bewegte sich auch dieses Mal das Schulbudget der Palästinaregierung um £ 143.000, von denen dem Departement für seine eigenen Schulen aber nur rund £ 120.000 zur Verfügung standen, die im wesentlichen zur Erhaltung des Bestehenden ausreichten, während £ 20.000 als Pauschalbeitrag für die zionistischen Schulen und £ 2500 für andere jüdische und nichtjüdische Schulden verwandt wurden. Trifft so das Departement als solches auch keine direkte Schuld, so ist der Gesamtregierung der Vorwurf nicht zu ersparen., daß sie für das Volksbildungswesen zu gering bemessene Beträge auswirft. Ein anderer Grund für den Stillstand des Regierungsschulsystems liegt ferner in der Tatsache begründet, daß die fellachische Bevölkerung für die Segnungen der Erziehung einfach noch nicht reif ist. Der Bericht betont, daß neun Dorfschulen wieder geschlossen werden mußten, da die Mehrzahl der Kinder nach kurzer Zeit vom Unterricht fern blieb und die Regierung keine Mittel in der Hand hatte, sie zum Schulbesuch zu zwingen. Von 100 Schülern der ersten Klasse in Regierungsschulen laufen durchschnittlich nur acht bis zur sechsten durch, während bei den zionistischen Schulen das Verhältnis wie 100 zu 50 ist. Hierüber sagt der Bericht: „Die verhältnismäßige Stetigkeit der zionistischen Ziffern ist ohne Zweifel teils auf das Einströmen von Emigrantenkindern der verschiedenen Altersstufen zurückzuführen, die schon in ihren Herkunftsländern Schulunterricht genossen haben, zum größten Teil aber auf die allgemeine Wertschätzung der Erziehung unter den Juden, die den gesetzlichen Schulzwang zu ersetzen vermag". Dies ist gewiß ein Lob, auf das wir stolz sein können, schade nur, daß es uns so viel Geld kostet. Im allgemeinen läßt sich jedenfalls nur feststellen, daß die Zivilisierung Palästinas, wie bisher jedes anderen Landes, sich ohne die Einführung des allgemeinen Schulzwanges nicht wird durchführen lassen. Das würde allerdings so ungeheure Mittel erfordern, daß in der nächsten Zukunft, selbst bei bestem Willen der Regierung und der Bevölkerung, schlechterdings nicht damit zu rechnen ist. Von Einzelheiten ist noch erwähnenswert, daß die Regierung einen langsamen, aber stetigen Fortschritt des inneren Betriebes ihrer Schulen festzustellen vermag, wenn auch die Frage geeigneter Lehrer mit solider Vorbildung und das Problem der Lehrmittel in arabischer Sprache noch immer akut sind. Im Berichtsjahre erschien ein arabisches Schullehrbuch (es ist das erste, das überhaupt in Palästina herausgegeben wurde) gegenüber 21 in hebräischer Sprache. Die Zahl der beim Departement eingelaufenen Pflichtexemplare betrug 356 hebräische Bücher gegenüber nur .18 ara-