Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Technische Probleme des Bauens in Palästina
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379880-2389727--09431-2389911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wonnen, er ist verwittert, hygroskopisch und weist keine beachtenswerte Tragfähigkeit auf. Seine primitive Gewinnung, ohne nennenswerten maschinellen Betrieb und die Tatsache, daß Steinbrucharbeit und Steinmetzerei eine Art traditionelles Handwerk darstellt, verteuert den Steinbau- Die Steinbearbeitung ist primitiv und teuer. Steinquaderbau, also reiner Steinbau, wird nicht ausgeführt, der Stein dient eigentlich als Verblendmauerwerk für ein primitives Lehmpisee (arabische Bauart) oder füi Stampfbeton oder Ziegelmauerwerk. Inländische gebrannte Lehmziegel sind nicht vorhanden, Versuche in kleinen Maßstäben haben erwiesen, daß entsprechende chemische und physikalische Bearbeitung des vorkommenden Lehms brauchbaren Brandlehm ergeben würde. Umfassende größere Versuche sind nicht unternommen worden. Der von der Silicate-Cy in Tei-Aviv erzeugte Kalksandziegel findet wegen seines hohen Preises nur lokale Verwendung. Hohe Bahnfrachten machen den Versand illusorisch. Der von der Nesher Cy in Jadsur bei Haifa erzeugte Portlandzement ist ein hochwertiger Zement. Sein Marktpreis gestattet es ausländischen Zementen, trotz Seefracht und Zoll, sich auf dem Markte zu behaupten. Das relativ teuerste Baumaterial ist Holz, welches als Bau- und Qualitätsholz importiert wird. Für eine Verwendung des inländischen Eukalyptusholzes, welches für Bauzwecke sich eignen könnte, fehlt die unerläßlich notwendige Erforschung seiner technischen Qualitäten. Trotz der bedeutenden Verteuerung durch Schakmgs- und Gerüstholz können Beton und Eisenbeton als „Volksbaumaterial" bezeichnet werden, wenn mit diesem Begriff ihre allgemeine Verwendung und billige Herstellung verstanden wird. Der laufende Marktpreis des Betoneisens als auch anderer Walzeisensorten ist relativ nicht höher als auf dem Produktionsmarkte (Belgien, Frankreich, Deutschland). Als Betonsand wird Meeressand oder Seesand verwendet, als Steinaggregat — Kalksteinschlägel und Schwemmsteine der Winterbäche. Infolge allgemeiner Verwendung des Betons und dank der intensiven wissenschaftlichen und praktischen Erforschung der spezifischen-technischen Eigenschaften des Betons und seiner Bestandteile in der bescheidenen Materialprüfungsanstalt des Palästinensischen Ingenieur- und Architektenvereines, hat diese Bauweise einen bestimmten Qualitätsstandard erreicht, welcher relativ dem mitteleuropäischen Standard nicht nachsteht. Inwiefern die ungeheuren Sandmassen der Flugdünen für die Betonindustrie und ihre Verbilligung verwendet werden könnten, ist eine Frage der Geldmittel, welche notwendig sind, um die unerläßlichen physikalischen, chemischen und praktischen technischen Untersuchungen und Versuche durchzuführen. 3. SPEZIELLE PROBLEME. Die speziellen Bedingungen des Landes fordern vom Bauobjekt Schutz gegen Regen und Hitze, und Sicherheit gegen vorkommende Erdstöße. Nach dem heutigen Stande der Erdbebenforschung bietet ein steifes, horizontal und vertikal verspanntes und mit dem Erdboden fest und unverschieblich verbundenes Gebilde (Rahmen in Eisen oder Eisenbeton) eine relative Sicherheit. Die einfachste Isolation gegen Hitze bietet eine entsprechende Wanddicke (wie sie die alten arabischen Bauten aufweisen); sie bedeutet aber eine bedeutende Verteurung. Erfahrungen zeigen, daß die Hohlwand {Luftisolation), in welcher Form sie auch in den von der Ökonomie diktierten Grenzen ausgeführt wurde, keinen Schutz gegen Hitze und in vielen Fällen auch nicht gegen Feuchtigkeit bietet. Eine einfache physikalische Erwägung zeigt, und die Praxis beweist es, daß eine solche normale Hohlwand sich zu einem Wärmeakkumulator umgestaltet, welcher die während der Sonnenbestrahlung aufgespeicherte Hitze in der