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Palästina · 1929-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1929) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1929)
Article
Technische Probleme des Bauens in Palästina
Date
1929-07-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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von einer Wohnkultur. Dieser Begriff von neuzeitlicher Prägung wird zum Kulturprogramm. Ein Volk erneuert die Grundlagen seines natürlichen Volkslebens im eigenen Lande. Das Problem des Wohnens unter neuartigen, volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Verhältnissen, bei eigenartigen klimatischen und geographischen Bedingungen wird aktuell. Geldknappheit und die Forderung nach kurzfristigster Rentabilität bilden erschwerende Umstände. Für den schaffenden Techniker stellt der Aufbau von Erez Israel ein technisches Problem — kat'exochen — dar. In dem Maße als dieses Problem moderner Technik und Wirtschaft beschwert wird durch Imponderabilien nationaler, religiöser, kultureller Natur, wird seine Lösung schwierig und die Rentabilität in Zweifel gezogen. Weitere Hemmungen bieten individuelle Eigenheiten der Menschen selbst, des Arbeitgebers als auch der Werktätigen. Diese Hemmungen übertreffen die objektiven Schwierigkeiten (Konstruktion und Material), welche, wenn sach- und fachgemäß behandelt und angewendet, wohl keine Hindernisse bieten. Statt vieler Worte, hierzu sehr treffende Gedanken von Walter Rathenau: „Die Probleme, an denen unser Leben und Streben hangt, sind Fachprobleme. In ihrer einzelheitlichen Gegensätzlichkeit begreift sie der Fachmann, in ihrer Gesamtheit mögen sie von zwölf Deutschen verstanden werden. Doch der Fachmann gekuppelt mit seinem Gegeninteressenten gibt ein brauchbares Paar. Die Kenntnis bleibt, die Interessen halten sich die Wage und fordern die Synthese, die Unzulässigkeit tritt kontradiktatorisch zutage und wird aufgehoben. Die Kämpfe werden langatmig, mildern sich schließlich durch gegenseitiges Verstehen und können, wenn sie dennoch unentschieden bleiben, von Dritten ohne allzu große Ungerechtigkeit geschlichtet werden. Das ist immerhin etwas anderes, als wenn in einer parlamentarischen Abendsitzung eine Zufallsmehrheit von gähnenden, übermüdeten, abreisebegierigen Nichtkennern der Lebensfragen des Volkes nach dem Gesetz des kleinsten Widerstandes und des plausiblen Mißverständnisses entscheidet". Diese offenen Worte, für andere Verhältnisse geschrieben, verlieren auch bei uns nicht ihre Geltung. Unsere Zeit ist eine Epoche der Wissenschaft, der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation, des Rationalismus und der freien Forschung. Im Zeitalter der Vorherrschaft von Technik und Wissenschaft kann Halbheit, Laientum und Unordnung zu keinem Erfolge führen und es ist schon Zeit, die scheinbaren und zufälligen Eintagserfolge von Bohemiens und Hasardeuren richtig abzuschätzen. 2. BAUMATERIAL. Als Fachproblem ist das Bauen in Erez Israel nicht anders als anderswo. Auch in Erez Israel erfordert Bauen Fachkenntnisse im Entwurf als auch in der Ausführung, Rücksichtnahme auf klimatische und meteorologische Verhältnisse, Bodengestaltung und seine spezifischen tektonischen Bedingungen (Erdbeben); es fordert die sachgemäße Beurteilung und Wahl der vorhandenen natürlichen und künstlerischen Baumaterialien usw. und speziell die Sicherheit einer realen und reellen Rentabilitätsauf&tellung. Es muß der Ansicht widersprochen werden, Erez Israel verfüge über wenig brauchbares, natürlich vorkommendes Baumaterial; vielmehr behaupten wir, daß der tatsächlich herrschende Mangel nicht begründet werden kann im Fehlen eines natürlichen Vorkommens desselben, sondern in der menschlichen Unternehmungslosigkeit und Trägheit, die gewaltigen uralten Steinmassen, die großen Lehmflötze, Gipslager, Sandmasseii usw. für industrielle Zwecke zu erschließen. Der in den Berggegenden verwendete Kalkstein wird oberflächlich oder aus zu geringer Tiefe ge-

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