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Palästina · 1929-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1929) · p. Seite 36

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1929)
Article
Mittelstands-Darlehenspolitik in Erez Israel
Date
1929-07-01
Page
Seite 36 (sequence 7)
Language
German
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Erzieherische Einwirkung. Die Bank Halvaoth beschränkt sich nicht darauf, auf die Existenz ihrer Kunden objektiv einzuwirken, sie versucht auch, sie subjektiv in ganz bestimmter Richtung erzieherisch zu beeinflussen. Schon bei den Gesprächen, die mit jedem Kunden bei der Entgegennahme seines Darlehensgesuches geführt werden, tritt ihm gewöhnlich zum überhaupt ersten Male eine Anschauung entgegen, die das Darlehen nicht lediglich von der Sicherheit, sondern von seiner Produktionsfähigkeit abhängig macht. Eine erzieherische Einwirkung liegt auch in der strengen Beobachtung der Zahlungsbedingungen und in den Konsequenzen, die die Bank daraus für die Erneuerung, Vergrößerung und Verminderung des Kredits zieht. Die starke Borgwirtschaft, die in Erez Israel eingerissen ist, hat natürlich manchenorts zu einer laxen Auffassung geführt, die nicht erwünscht erscheint. Dazu kommen die Nachwirkungen der Ghalukahwirtschaft und mancher Details in der Praxis der zionistischen Fonds, kommen allerhand Auswüchse von Partei- und Cliquenwirtschaft und die eigentümliche Rückwirkung der Palästinapropaganda auf die Psychologie der Bevölkerung im Lande selbst, die eine nachdrückliche Erziehung zu gesunden kaufmännischen Begriffen sehr notwendig erscheinen lassen. Diesem Bedürfnis kommt die Praxis der Bank Halvaoth sehr entgegen, und nicht umsonst erfreut sie sich gerade bei dem jüdischen Kleinkaufmann und Gewerbetreibenden einer besonderen Beliebtheit, wo man in der Regel sehr solide kaufmännische Anschauungen vorfindet. Zweifellos kann die Bank auch auf die Verwendung der Kredite in möglichst produktionsförderndem Sinne wirken. Sie kann den Kaufmann und Handwerker dazu bringen, sein Geschäft nicht nur als tägliche Einnahmequelle, sondern als einen pfleglich zu behandelnden Organismus zu betrachten, das heißt sich der kapitalistischen Entwicklung anzupassen, die sonst über ihn hinweggehen wird. Immerhin ist hierbei zu berücksichtigen, daß allzu subtile Untersuchungen leicht die Entschlußfähigkeit eines Gewerbetreibenden beeinträchtigen, der in seiner sehr simplen, aber in der Erfassung der Chance sehr geschulten Betrachtungsweise gewöhnlich einen sichereren Ratgeber besitzt als unsere unter ganz anderen Gesichtspunkten zustande gekommene kaufmännische Erfahrung. Dagegen sollte die Bank in einem weiteren Rahmen zusammen mit anderen Instituten an der Erziehung des palästinensischen Juden zur Wirtschaftlichkeit durch Einrichtung von Kursen in kaufmännischen und Betriebswissenschaften, insbesondere für jüngere Kaufleute und Handwerker mitwirken. Auch sollte die Erziehung zum „Dienst am Kunden" angestrebt werden, der ein in Erez Israel noch ganz unbekannter Begriff ist. In diesen Rahmen gehört auch die Förderung aller Einrichtungen, •die auf Qualitätshebung, Produktionsmehrung und Absatzsteigerung, auf Erziehung zu Treu und Glauben, Ausschaltung unlauterer Konkurrenz und dergleichen abzielen. Auch läge es im Rahmen der Tendenz der Bank Halvaoth, wenn sie die Frauenorganisationen dahin beeinflussen könnte, die Frauen zur Führung von Wirtschaftsbüchern usw. zu veranlassen. Notwendigkeit einer Sparkasse. Gerade unter erzieherischen Gesichtspunkten wäre der Ausbau der bei der Bank vorhandenen Sparabteilung zu einer wirklichen Sparkasse sehr zu begrüßen. Der Begriff des Sparens ist dem palästinensischen Juden noch fast ganz fremd. Ihn dem Lande und seinen Bewohnern näherzubringen, erscheint als eine Aufgabe von höchster volkserzieherischer und wirtschaftsaufbauender Bedeutung. Die jetzigen Spareinrichtungen der Loan Bank sind zu winzig und in ihren Propagandamethoden zu primitiv.

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