Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Mittelstands-Darlehenspolitik in Erez Israel
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 34 (sequence 5)
- Language
- German
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gewerbstätigen Menschen Kredit gibt, die noch nicht kreditfähig für die Kommerzbanken sind; sie gibt ihnen die Chance. Die Bedingungen der Bank Halvaoth sind einfach und billig. Als Sicherung verlangt sie zwei zuverlässige Bürgen. Das ist die eine große Möglichkeit, die sie dem fast oder ganz mittellosen erwerbstätigen Juden bietet. Die andere besteht in der ratenweisen Rückzahlung der Darlehen. Der Darlehensnehmer hat die Anleihe in zehn, respektive zwölf Monaten zu amortisieren. Das ist ihm leicht und macht ihm die Kreditoperation möglich, die er bei einer Kommerzbank, wo Rückzahlung in drei Monaten und einer Summe verlangt wird, nicht riskieren könnte. So kapitalisiert die Bank Halvaoth die Chancenfähigkeit des Juden und verwertet seine Solidarität als Kreditunterlage. Der Zinssatz der Bank Halvaoth entspricht ihrer Aufgabe, dem Bedürfnis des kleinen Mannes zu dienen. Er hält sich auf der Höhe von 9% vom ausstehenden Betrag und macht damit die Bank Halvaoth zum billigsten aller palästinensischen Kreditinstitute. Der zweite, ganz anders geartete Kundenkreis der Bank Halvaoth besteht im wesentlichen aus Beamten und Lehrern, aus Angehörigen freier Berufe, aus Privatleuten. Auch die Notwendigkeit dieser Anleihen ist in der ganz besonderen wirtschafts-psychologischen Veranlagung des Juden und dem Bedürfnis begründet, sie mit den Bedingungen des Landes in Einklang zu bringen. Der Jude in der ganzen Welt ist ein Bürger und erstrebt ein bürgerliches Leben. Sein wirtschaftliches Streben geht weniger dahin, daß es ihm selbst gut geht, als daß er sein soziales Niveau hebt oder mindestens behauptet. Darum tendiert die Erziehung seiner Kinder mehr zu den „vornehmen" freien, als den praktischen Berufen. Darum finden wir in den jüdischen Häusern, auch denen der Bauern, Siedler, Arbeiter, oft unwahrscheinlich viel Möbel. Darum kann der Jude bei der Verschlechterung der Wirtschaftslage seine Lebensgewohnheiten nur schwer hinunterdrücken. In gewissem Sinne gehört hierher auch die Neigung, weit über das Maß hinaus seinen Angehörigen, auch weit entfernten, zu helfen. All dies mag rein ökonomisch betrachtet zur Kritik Anlaß geben. In dieser Tendenz zur Bürgerlichkeit liegt aber einer der tiefsten Gründe des über alle Störungen hinweg immer wieder sich erneuernden jüdischen Aufstieges. Gerade in Erez Israel haben wir allen Grund, dieses Streben zu fördern, das wie eine immanente Kraftquelle wirkt und etwas wie eine psychologische Garantie gegen soziale Rückschläge bildet. Darüber hinaus stellt es das stärkste Korrektiv gegen die Ideologie dar, die in der Proletarisierung des Juden in Erez Israel so etwas wie ein zionistisches Ideal sieht, die zwar im Lande selbst immer mehr an Boden verliert, in der zionistischen Diskussion im Galuth aber immer noch spukt. Die Bank Halvaoth findet reichlich Gelegenheit zur Betätigung auch in diesem zweiten Aufgabenkreis. In einem so armen Lande, wo es fast an jeder staatlichen wie privaten Fürsorge mangelt, kann jeder soziale Unglücksfall — Stellenlosigkeit, Krankheit und Operation — eine Existenz vernichten. Das Darlehen der Bank Halvaoth wendet solche Katastrophen ab. Der Einwanderer kommt zum größeren Teile ohne Hausrat ins Land und kann ihn sich bei seinem geringen Einkommen gewöhnlich nur auf sehr kostspieliger Ratenzahlung anschaffen. Er hat keine Eltern, von denen er seine „Aussteuer" erhalten könnte. In gewissem Ausmaße hilft hier die Bank Halvaoth, indem sie jungen Paaren eine Anleihe zur Beschaffung der ersten Einrichtung gibt. Ebenso gewährt sie Darlehen für die sehr beliebte Einrichtung kleiner Hilfswirtschaften durch Anschaffung einer Kuh, eines Hühner-