Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Mittelstands-Darlehenspolitik in Erez Israel
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 33 (sequence 4)
- Language
- German
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Rückhalt, den der Jude einer Stadt an seinem Landsmann aus derselben Stadt findet, ersetzt das fehlende Kapital. Der alte Satz „Kol Ha-Jehudim Arewim se läse" hat eine wörtlich zu nehmende wirtschaftliche Bedeutung, die für Tel-Aviv geradezu entscheidend geworden ist. Der städtische Jude in Erez Israel ist oder wird Handwerker oder Zwischenhändler. Es gehört zu den Fehlern unserer Siedlungsideologie, daß sie darin etwas Verderbliches erblickte. Der Jude von Tel-Aviv hat gezeigt, daß er mit dem Zwischenhandel da noch existieren kann, wo ihm jede andere Erwerbsmöglichkeit abgeschnitten ist. Das Finanzinstitut, das diese Tatsachen richtig erkannt hat, ist die Bank Halvaoth. Ursprünglich aus einer Art Wohltätigkeitsinstitut entstanden, stellte sie sich eine Aufgabe: dem Juden in Erez Israel die Schaffung und Erhaltung einer Existenz zu ermöglichen, die von seiner Arbeit, nicht aber von Wohltätigkeit abhängig, das heißt produktiv ist. Die Bank Halvaoth hat sich resolut die Erhaltung der Gegenwart des Juden in Erez Israel zum Ziele gesetzt, auch wenn dies bei oberflächlicher Betrachtungsweise manchmal so aussieht, als ob es auf Kosten einer zukünftigen Entwicklung geschähe. Sie war sich vielmehr bewußt, daß sie gerade damit die einzig wirklich fundierte Grundlage für eine wirtschaftlich jüdische Zukunft aufstellt: die Sicherung des sich mittels seiner natürlichen Eigenschaften selbsterhaltenden Juden. Kundenkreis der Bank Halvaoth. Der Kundenkreis der Bank Halvaoth lqßt sich in zwei Hauptgruppen teilen. Die erste, zahlenmäßig weit bedeutendere, oetzt sich aus mittleren, kleinen und kleinsten Kaufleuten zusammen, aus Straßenhändlern und Hausierern, aus Handwerkern und Flickhandwerkern sowie aus Gewerbetreibenden aller Art. Der Kredit der Bank Halvaoth gestattet dem Kleinkaufmann die Eröffnung seines Ladens, dem Mechaniker die Anschaffung des Handwerkzeuges, dem Metzger den Kauf des Schlachtviehes, dem Hausierer die Beschaffung des Tragekastens mit der Ware darin. Die Bank Halvaoth gibt das Betriebskapital für den Schuster und den Blechschmied, für den Geflügelhändler, den Petroleumverteiler, den Milchmann, den Gafetier und die Gasosbude, für den Bäcker und Korbflechter, die Pensionsinhaberin und die Leihbibliothek. Der Kutscher erwirbt Pferd und Wagen mit dem Kredit der Bank, der Stiefelputzer die Fußschemel und später die Stühle für seine Kundschaft, die Kunstgewerblerin das Material für Produkte der Heimatkunst. Mit dem Gelde der Bank Halvaoth werden die vielen kleinen Eßgeschäfte und Kioske eröffnet, die der Beamte, der Arbeiter, der Intellektuelle seinen Eltern errichtet, damit sie einen von Wohltätigkeit freien Erwerb haben. Der Schwarzarbeiter kauft sich mit dem Kredit der Bank Halvaoth Kamele und wird zum „Gamlan", der Chauffeur wird durch den Kauf eines eigenen xAutos auf eben diese Weise zum Unternehmer. Nicht wenig freie Berufe in Tel-Aviv gründen sich auf das Darlehen der Bank Halvaoth. Wie mancher Rechtsanwalt erwarb seine Handbibliothek damit oder seine Schreibmaschine, wie viele Zahnärzte konnten nur so ihr Kabinett einrichten. Kindergärten und Privatschulen erhalten von ihr das Betriebskapital, Apotheker und Näherinnen bauen auf ihr ihre Existenz auf. Am Anfange fast jeden Betriebes in Tel-Aviv, mit Ausnahme der wenigen ganz großen, steht die Bank Halvaoth, und nicht nur in einzelnen Fällen wurde der Start zu einer Fabrik, die heute Dutzende von Arbeitern beschäftigt, durch das Darlehen der Bank Halvaoth ermöglicht. Darin besteht die Funktion der Bank Halvaoth, daß sie