Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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von Hunderten und solche von Tausenden von Arbeitern die Dienste der Psychotechnik in Anspruch. Auch die amtliche Berufsberatung, diejenige Instanz, welche die Berufswahl des Nachwuchses eines ganzen Volkes, wenn auch nicht leitet, so doch planmäßig beeinflußt, zieht die Psychotechnik zu Rate. Für den Psychotechniker ist Palästina gewissermaßen ein großer Betrieb, dessen Arbeiterbestand, die Zahl der gegenwärtig dort tätigen Juden, etwa 150.000 Seelen ausmacht, während der jährliche Zuwachs, die Zahl der einwandernden Chaluzim, etwa 5000 bis 10.000 beträgt. Das sind Zahlen, welche die Aufgabe praktisch keineswegs unmöglich erscheinen lassen, um so mehr als es an der Begeisterung und Opferwilligkeit der Einwanderer, an ihrem durchschnittlichen Intelligenzniveau und ihrer Anpassungsfähigkeit, aber auch an der Mannigfaltigkeit der Zuordnungsmöglichkeiten nicht fehlt. Nur bedarf die besondere Eigenart der Aufgabe, wie übrigens jeder spezielle Fall, einer geeigneten Organisation. Nachstehend erlaube ich mir, einen praktischen Plan für die psychotechnisch organisierte Kolonisation Palästinas zu skizzieren. Ich muß jedoch vorausschicken, daß der Plan erst durch ein genaues Studium der besonderen Verhältnisse des Heiligen Landes durch einen Psychotechniker bis in alle Einzelheiten festgelegt werden kann. Nur der Anschaulichkeit halber beschreibe ich die vorgeschriebene Organisation so, als oh sie bereits bestehen würde: Jeder gänzlich ungeeignete Einwanderer verursacht der zionistischen Organisation unnütze große Kosten. Daher werden die Chaluzim bereits an den Quellen des weitverzweigten Einzugsgebietes der jüdischen Einwanderung auf ihre allgemeine Eignung untersucht und eventuell mit einer für sie zweckdienlichen Beratung versehen, zurückgewiesen. Deshalb werden an geeigneten Stellen, so z. B. in Polen, psychotechnische Prüfstellen eingerichtet. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, an bereits bestehende psychotechnische Institute in den verschiedenen Ländern spezielle zionistische Prüfstellen anzugliedern, wenigstens soweit die Methoden der betreffenden Institute dieser besonderen Aufgabe gewachsen sind. Diese Prüfstellen könnten sich auch auf einige Hafenstädte konzentrieren, wobei allerdings unter Umständen unnütze Reisekosten der Einwanderer mit in Kauf genommen werden müssen. Da die praktische Eignung nicht nur durch die psychische Struktur des Menschen bedingt ist, sondern auch durch physiologische Faktoren und schließlich auch durch die Einflüsse von Milieu und Bildung, so sind diese psychotechnischen Prüfungen organisatorisch natürlich eng verbunden mit ärztlichen Untersuchungen, wie auch mit Nachforschungen über Herkunft und Milieu.