Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Jede Berufsarbeit hat ihre technische Eigenart, die selbstverständlich bei der Erziehung zur Arbeit gebührend beachtet werden muß. Ebenso muß aber auch die spezifisch menschliche Eigenart des Menschen berücksichtigt werden. Dies kann dem gewöhnlichen Erfahrungswissen anheimgestellt werden, kann aber auch durch die Heranziehung wissenschaftlicher Einsichten und Methoden erfolgen. Die ersten systematischen Anlernversuche der Psychotechnik gehen in die Vorkriegszeit zurück. Seither ist parallel der Psychodiagnostik ein neues psychotechnisches Arbeitsfeld zur Blüte gelangt, die Arbeitspädagogik. Auch sie muß zuerst das Terrain sondieren, das heißt, sich den vollen Einblick in die zu erlernenden Arbeitsprozesse und Verhaltungsweisen verschaffen. Diese Gelegenheit bietet sich ihr anläßlich der bereits erwähnten Arbeitsanalysen. Studiert der geschulte Psychotechniker irgendeine Art von beruflicher Arbeit, so gewahrt er, daß sich alles im Grunde auf einer Reihe naturgemäßer Betätigungsformen aufbaut. So präsentiert sich z. B. die Arbeit des Maurers auf den ersten Blick als ein ziemlich kompliziertes Gefüge verschiedener Fertigkeiten, denen der Laie ratlos gegenübersteht, wenn er sie nachzumachen versucht. Die psychotechnische Analyse zerlegt nun die ganze Arbeit in Teiloperationen, und diese wieder in immer elementarere Funktionen, bis der Anschluß an das natürliche Verhalten gefunden ist. Dann beginnt die Prüfung der Frage des systematischen Aufbaues vom psychologisch Einfacheren zum Komplizierteren. So wird zuerst das Mörtelzubereiten durchgenommen, dann das Auftragen des Mörtels, das Auflegen der Backsteine, das Aufmauern, Senkeln, Visieren und so fort, bis schließlich zu den höchsten Funktionen des qualifizierten Maurers. Größter Wert wird auf die richtige Ausführung jeder Überlegung und jeder Bewegung gelegt. Denn bekanntlich hält es ungemein schwer, einmal angenommene oder gar eingefleischte unrationelle Auffassungen und Bewegungen umzugewöhnen. Gelingt eine vorgeschriebene Operation richtig und hat sie einen hinreichenden Übungsgrad erreicht, so erfolgt etwas Neues. Wo immer möglich, muß es eine Operation sein, in der das bereits Erworbene wenigstens zum Teil enthalten ist und sich automatisch weiterüben kann. Sehr wesentlich ist gleichzeitig die geistige Anregung, die sich dann einstellt, wenn nicht zu lange auf einer erreichten Zwischenstufe verweilt werden muß. In verschiedenen Maureranlernkursen in der Schweiz konnte auf diese Weise eine Konzentration der Lehrzeit der jungen Maurer auf sechs Wochen erzielt werden. Nach dem übereinstimmenden Urteil aller