Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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technisch untersucht werden, kann hier leider nicht des näheren ausgeführt werden*). Nach fünfzehnjähriger Erfahrung läßt sich sagen, daß die psycho technische Untersuchung des Menschen auf Grund der aus der wissenschaftlichen Psychologie herauskristallisierten Methoden jenen Grad von Zuverlässigkeit erreicht haben, der erlaubt, dem Individuum als Beraterin wegleitend zu dienen. Zur wirklich wertvollen Beratung gehört aber auch die genaue Kenntnis der Arbeitsanforderungen. Denn die Kenntnis des Menschen allein genügt noch nicht für die Zuweisung zu einem Wirkungsfeld, weil es eben auch noch auf die Anforderungen ankommt, die dieses stellt. Eine gewisse weltanschauliche Auffassung geht dahin, daß man nicht von bestimmten Anforderungen des Milieus an den Menschen zu sprechen brauche; die Arbeit vollziehe sich eben gemäß der Natur dessen, der sie leistet. Diese Auffassung mag für primitive Verhältnisse gültig sein, wo die Gesichtspunkte der Planmäßigkeit und Zielgerichtetheit fehlen. Jedenfalls gilt sie nicht für die ganze Kultur des Westens, die im Zeichen der systematischen Entwicklung und der Konkurrenz steht. Auch für die große Aufgabe der palästinensischen Kolonisation steht die Zielbewußtheit außer allem Zweifel. Zudem lehrt gerade hier die Erfahrung bereits eindeutig, daß es für das Wohlergehen des Ganzen wie der einzelnen von entscheidender Bedeutung ist, daß die Anforderungen des Landes und aller der in Angriff genommenen Aufgaben sorgfältig festgestellt werden. Dieser Weg muß beschritten werden, um Enttäuschungen vorzubeugen. Methodologisch ist das Vorgehen gegeben durch die Eigenschaften, über die der Mensch verfügt. Es kommt darauf an, festzustellen, welche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften an all den verschiedenen Orten unerläßlich sind. Im einzelnen bedingt das ein eingehendes Studium der Arbeitsprozesse und -Verhältnisse, sogenannte Arbeitsanalysen. Es ist grundsätzlich dieselbe Arbeit, die von der Psychotechnik in der Schweiz bei den verschiedenen Berufskategorien in den Betrieben geleistet wird. Sie verlangt ebenfalls den Einsatz des geschulten Psychotechnikers. Im Einvernehmen mit dem örtlich und technisch Sachverständigen stellt er überall jenes Minimum fest, das für die erfolgreiche Betätigung der Leute Voraussetzung ist. Gewiß kann man sich für den Anfang ziemlich rasch durch Besichtigungen behelfen, bei denen die markantesten Punkte herausgegriffen werden, um als erste Unterlage für die Berufszuordnung verwendet zu werden. Auf die Dauer kommt man *) Wir verweisen auf das in Bälde erscheinende Buch des Verfassers: J. Suter. Grundzüge der Psychotechnik. Erster Band: Psychodiagnostik.