Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379880-2389723--09388-2389876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nen, Augenschein, und schließlich als letzte entscheidende Instanz: mit Probieren. Daß alle diese Mittel unzulänglich sind, weiß jeder, der sie verwenden muß. Daher die betrübliche Erscheinung, daß jedes größere Unternehmen immer einen fühlbaren Prozentsatz Ungeeigneter hat, die es nach einiger Zeit wieder entlassen muß. Und wenn es auch nicht so weit kommt, so weiß man von den Neueingetretenen eigentlich immer nur, wie sie sich am eingenommenen Platze bewähren, wo sie die Erfahrungsprobe durchmachen, nicht aber, ob sie an einem anderen Posten für das Unternehmen und für sich Wertvolleres hätten leisten können. Es gibt mehr Leute, als man gemeinhin denkt, die ihren Beruf mehr oder weniger verfehlt haben! Aus dieser Diskrepanz erscholl schon lange vor dem Krieg der Ruf nach „wissenschaftlicher Betriebsführung", und zwar nicht nur in technischer Hinsicht, wo die Mitarbeit der Wissenschaft von jeher gewürdigt wurde, sondern mehr noch im Hinblick auf die. arbeitenden Menschen als solche. In Frage kam naturgemäß vor allem die Psychologie als angewandte Psychologie, oder — wie der hierfür eingebürgerte Name lautet — die Psychotechnik. Wir können es uns versagen, hier auf den Werdegang der Psychotechnik oder auf methodische Einzelheiten einzutreten. Nach dem früher Gesagten ist es klar, daß eine Hauptaufgabe der Psychotechnik die Bestimmung der psychischen Beschaffenheit des Menschen ist. Das will nicht heißen, daß sie das innerste Wesen der Seele aufzudecken hat. Das kann sie ebensowenig, wie etwa der Physiker das innerste Wesen dessen, was er Materie nennt, zu erfassen vermag, oder der Arzt nachzuweisen vermöchte, was im Grunde die Wesenheit des ihm als Erscheinung gegebenen lebendigen Organismus ausmacht. Was man aber von allen diesen Instanzen verlangen darf, ist der Nachweis der erkennbaren Beschaffenheit und der Wirkungszusammenhänge ihres Forschungsgegenstandes. In diesem Sinne ist auch die Psychotechnik heute in der Lage, die psychische Struktur des Individuums mit weitgehender Sicherheit zu bestimmen. Was allen Menschen psychologisch eigentümlich ist, wenn auch individuell nach Veranlagung und Entwicklung verschieden abgestuft, das sind zunächst die geistigen Fähigkeiten des Auffassens, des Erinnerns, des Denkens und der Phantasie, sodann die Wahrnehmungsfähigkeiten der Sinne und schließlich das Psychische, aus dem sich erst das eigentliche Charakterbild ergibt, Ererbtes und Erworbenes, wie die Gefühls- und Willensveranlagung, das Temperament, das Selbstbewußtsein, die Gründlichkeit und Aufmerksamkeit und anderes mehr. Wie diese psycho-