Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
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man wird die ernstesten Anstrengungen machen müssen, um allmählich, doch mit möglichster Beschleunigung, das Niveau des arabischen Arbeiters zu heben — hoffentlich wird es dabei ohne Senkung des jüdischen Lebensniveaus abgehen — damit diese Frage aus der Luft der nationalen Gefühlsgründe oder gar des nationalistischen Boykotts in die der wirtschaftlichen Realität treten kann. Inner jüdisches. Wir feiern viel Jubiläen. 50 Jahre Pethak Tikwa, 25 Jahre Lehrerorganisation, 25 Jahre zweite Alijah, 20 Jahre Tel-Aviv, zehnter Gedenktag von Tel-Chai, und vielleicht habe ich noch etwas vergessen. Die Atmosphäre der Propaganda, die an sich schon so höchst bedenklich für den ruhigen Aufbau ist und die beinahe jeden arbeitenden Menschen in Palästina, besonders während der Touristenmonate zwingt, gleichsam seine Arbeit hinter durchsichtigen Glasmauern zu tun, diese Propagandaatmosphäre steigert sich noch durch die vielen Jubiläen. Und sie gehen nicht immer ohne neue Anlässe zu Mißverständnissen und Reibungen vorüber. Ussischkins Rede auf der Feier der Lehrer war voll von Anspielungen, die immer jeweils eine Seite begeistern und die andere abstoßen mußten — und insofern erhob sie sich allerdings mit einer gewissen männlichen Bekenntnisfreudigkeit über die rein formalen Festreden, die an solchen Tagen üblich sind. Aber war es wirklich nötig, etwa gegen den bereits beschlossenen Lehrstuhl für Jiddisch an der Hebräischen Universität bei dieser Gelegenheit loszuziehen? War es auf der anderen Seite nötig, bei der Feier der chaluzischen zweiten Alijah die alten Kolonien, insbesondere Sichron Jaakow, herabzusetzen und zu beleidigen, so daß sich dem Jubiläum lange Presseerörterungen anschlössen? In dieser Beziehung hebt sich Tel-Aviv vorteilhaft heraus, da es verstanden hat, durch seine, auch finanziell und wirtschaftlich recht geglückte Ausstellung das Jubiläum nicht nur zu einem Tage der Rückschau, sondern zu einem Anlaß weiterführender Arbeit zu gestalten. Wird man in 25 Jahren in ganz Palästina, ohne Unterschied der Parteien, frohbewegten Herzens das Jubiläum der Jewish Agency feiern? Einige ihrer Hauptbegründer haben nun Palästina besucht und eine einhellig freundliche Aufnahme gefunden: Ghajim Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation, Bernhard Kahn, einer der Leiter des Krimwerkes und angeblicher Kandidat für einen der Jerusalemer Agencyposten (was er inzwischen dementiert hat — Die Red.), und die Brüder W a r b u r g, Max aus Hamburg und Felix aus New York, von denen allerdings bisher nur der zweite an der aktiven Palästina-Politik teilgenommen hat. Man hatte den Eindruck, daß die Begegnung dieser Männer, des alten Führers und seiner neuen Helfer, mit dem Lande nicht unfruchtbar geblieben ist. Der natürliche Respekt vor dem, was Palästina aus sich herausgeschaffen hat, teilte sich unseren zukünftigen Partnern unmittelbar mit, so daß sie es dem kommenden 16. Zionistenkongreß vielleicht noch mehr als bisher erleichtern werden, den gemeinsamen Weg zu besiegeln. Damit hätte dann Palästina, noch vor der Vollendung seines eigenen Aufbaues, schon wahrhaft geschichtliche Bedeutung für das Leben des jüdischen Volkes erlangt: es hätte ihm die politische Gesamtvertretung wiedergegeben, die ihm seit beinahe 2000 Jahren gefehlt hat. Dieses Bewußtsein oder doch dieses Gefühl mag denn auch noch mehr als die finanzielle Hilfe, die man von der Agency erwartet, dahin wirken, daß heute, nach Erfüllung der auch gerade in Palästina formulierten Vorbedingungen, beinahe der ganze Jischuw für die Erweiterung der Jewish Agency eintritt und sie als selbstverständlich vom Kongreß erwartet. Es ist bedeutungsvoll, daß gerade die Übereinstimmung auch in diesem Punkte