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Palästina · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. Seite 34

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-06-01
Page
Seite 34 (sequence 4)
Language
German
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vorgesehen: deshalb hat man z. B. das bisherige Porto Palästina-England dem übrigen Auslandporto anpassen und heraufsetzen müssen. Die Frage selbst geht die Beziehungen zwischen Regierung und Exekutive nur mittelbar an, immerhin muß auch der Zionistischen Organisation, die sich ja* aus den verschiedenen Landsmannschaften zusammensetzt, an einer möglichst neutralen Haltung der Palästina- Regierung liegen, damit unsere Politik nicht gänzlich, wie es die Anhänger des „Siebenten Dominion" allerdings bejahen, ins Schlepptau des englischen Kolonial- Wirtschaftsimperialismus gerät. Wenn derartige Probleme auftauchen, macht sich das Fehlen eines palästinensichen Parlaments irgendwelcher Art, in dem allein eine wirkliche Klärung versucht werden könnte, stets besonders schmerzlich bemerkbar. Es ist bedeutsam, daß die erste Tagung der palästinensischen Industriellen — es gibt schon 600, die zirka 6000 Arbeiter beschäftigen — es gleichfalls beklagte, keinen offiziellen Weg für die Unterbringung ihrer wirtschaftpolitischen Wünsche zu besitzen und darauf angewiesen zu sein, daß die Regierung einen Vertreter der Landesinteressen in einen der bestehenden Fachausschüsse beruft. Man sieht also, daß die Forderung des Brith Schalom, ein den Verhältnissen Palästinas angepaßtes Parlament vorzubereiten, auch von rein jüdischen Interessen her vertreten werden kann und nicht nur wegen der allerdings auch im jüdischen Interesse gelegenen Verständigung mit den Arabern wegen erhoben werden muß. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern, das zweite oder eigentlich das erste große Thema der palästinensischen Landespolitik, sind dauernd schwierig. Man war von zionistischer Seite aus taktlos genug, bei der Tel-Aviver Ausstellung, zu der man doch Araber, und nicht nur solche aus Palästina, eingeladen hatte, nur englische und hebräische Inschriften anzubringen; man war so engstirnig, einem gemeinsamen Schritt aller Stadtverwaltungen gegen die Einschränkung der Autonomie die Mitwirkung zu versagen. Auf der anderen Seite ist unter den Arabern eine zweifellos ernst zu nehmende Bewegung im Gange, die jeden Verkauf arabischen Bodens an Juden als nationalen Verrat stempeln will — man denke etwa an ähnliche Stimmungen und Parolen während der deutschen Ostmarkenpolitik in der Provinz Posen! Insbesondere gegen die arabischen Makler, die an der Vermittlung der Bodenkäufe beteiligt sind, erhebt sich von Seiten der nationalistischen Jugend heftiger Protest, und vielleicht werden öffentliche Demonstrationen folgen. Hier besteht gewiß eine ernste Gefahr für unsere Bodenkaufspolitik, deren Fortsetzung eine unbedingte Voraussetzung des zionistischen Aufbauwerkes ist, die aber in ihrer Propaganda mit der gefährlichen Parole „Erlösung des Bodens!" ruhig etwas vorsichtiger umgehen könnte, als sie es leider tut. t Ein weiterer akuter Konflikt, der die Araber zwar nur indirekt trifft, hängt mit der Elektrifizierung Jerusalems durch eine englische Gesellschaft zusammen. Diese hat bei den vorbereitenden Arbeiten, bei denen im wesentlichen nur ungelernte Arbeiter in Frage kommen, Juden so gut wie gar nicht berücksichtigt und dadurch den Widerspruch aller nationalen Instanzen sowie eine Art Boykottdrohung der jüdischen Bevölkerung der Stadt gegen sich aufgerufen. Man wird die Forderung für gerechtfertigt halten dürfen, daß eine Gesellschaft, die sich künftighin ganz wesentlich auf jüdische Abnehmer wird stützen müssen, auch jüdische Arbeiter, wenigstens in einem gewissen prozentualen Verhältnis, beschäftige; anderseits kann man von englischen Kaufleuten nicht mehr jüdisches Nationalgefühl verlangen als von vielen Orangenplantagen-Besitzern in den judäischen Kolonien. Der Hauptpunkt der Frage bleibt nach wie vor in dem verschiedenen Lebens- und daher auch Lohnniveau des jüdischen und des arabischen Arbeiters beschlossen —

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