Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- Palästina-Regierung und jüdische Arbeit
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 26 (sequence 7)
- Language
- German
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sammensetzung. Jerusalem und Haifa genügen keineswegs den Ansprüchen der jüdischen Arbeiter. Ausnahmen bildeten jene Arbeitsbeschaffungen zur Zeit der Arbeitslosigkeit, die mit Hilfe der Regierung arrangiert wurden. Die Arbeiten, die in Tiberias zur Vergebung kamen, waren sehr geringfügig; die Jaffaer Arbeitsgelegenheiten wurden fast nur im Zusammenhang mit der Regierungsbeihilfe beschafft. Das Schlimmste ist, daß nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge kaum darauf zu rechnen ist, daß die Budgets der kommenden Jahre irgendeine Gewähr für die Anstellung jüdischer Arbeiter bieten. Die Lage ergibt folgendes Bild: Der städtische Arbeiter wird von dem Fellachen und Beduinen verdrängt, der außerhalb der Stadt wohnt und diese nur für die Arbeitszeit aufsucht. Der erwachsene Arbeiter kann der Konkurrenz der billigen Kinderarbeit nicht standhalten, der männliche Arbeiter nicht der der minderbezahlten Frauenarbeit. Der Arbeiter von höherem Standard kann nicht gegen den primitiven Arbeiter konkurrieren. Dazu kommen die Beziehungen bekannter arabischer Unternehmer zu den Stadtverwaltungen, die die Aufträge eventuell auch mit Verlust übernehmen können, weil sie den Schaden an anderer Stelle wieder wettzumachen wissen. Dieser Zustand wird durch die undemokratischen Verhandlungsformen der Stadtverwaltungen und den Mangel an öffentlicher Kontrolle begünstigt (geschlossene Sitzungen; Beschränkung des Wahlrechtes; Vertretung der arabischen Wähler ausschließlich durch die angesehenen Familien der Stadt). Ich erwähnte bereits vorher die Eisenbahn, Post und Telegraphie rühmend, die ständig eine Reihe jüdischer Arbeiter bei sich beschäftigen. Bei der Eisenbahn sind etwa 400 jüdische Arbeiter tätig, die 13% aller Eisenbahnarbeiter ausmachen. Dieser Prozentsatz ist also weit niedriger als der der jüdischen Einwohner im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Palästinas. Außerdem sei betont, daß dieser Prozentsatz nicht etwa steigt, sondern sogar gelegentlich Schwankungen nach unten ausgesetzt ist. Es gibt Arbeitszweige bei der Eisenbahn, die zirka 800 Arbeiter beschäftigen und die den Juden, trotz anhaltender Interventionen der Arbeiterorganisation, völlig verschlossen bleiben (Schwellenherstellung und -Verarbeitung). Das Gesundheitsdepartement stellt Juden in äußerst seltenen Fällen an usf. Zum Schluß einige Worte über die Aussichten für die Zukunft: Seit einigen Jahren beschäftigt sich die öffentliche Meinung Palästinas mit dem Projekt des Haifaer Hafenbaues. Nach einer Bekanntmachung der Regierung wird die Hafenanlage selbst von der verhältnismäßig kleinen Anzahl von 1000 Mann bewältigt werden. Es besteht aber kein Zweifel, daß im Zusammenhang mit dem Hafenbau umfangreiche Arbeiteu beginnen werden, die in starkem Maße zur Entwicklung und Ausdehnung der Stadt Haifa beitragen werden. Was den Hafenbau selbst betrifft, besteht die Hoffnung, daß die Regierung die Ausführung nicht an Mittelpersonen übergibt, sondern selbst überwacht. In diesem Fall ist es an uns, energisch darauf zu bestehen, daß die Regierung die Arbeiten zu angemessenen Bedingungen vergibt und alle Teile der palästinensischen Bevölkerung in gerechter Weise an ihnen beteiligt. Die Arbeiterorganisation hat bereits in diesem Sinne Schritte bei der britischen und der palästinensischen Regierung unternommen. Die jüdische Arbeiterschaft sieht mit gespannter Erwartung der Veröffentlichung der Anleiheverordnung (zwecks Finanzierung der Hafenarbeiten) und den Zusicherungen Amerys bezüglich der Festsetzung eines angemessenen Lohnes und entsprechender Bedingungen entgegen. All diese Erwägungen berechtigen uns in keiner Weise, uns mit der Hoffnung zu trösten, daß die Lösung dieser Fragen sich von selbst einstellen werde. In den Akten der Regierung findet sich das bisher unveröffentlichte Memorandum der Lohn-