Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- Palästina-Regierung und jüdische Arbeit
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 23 (sequence 4)
- Language
- German
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in öffentlichen Arbeiten. Es war die Periode des Wiederaufbaues aus den Trümmern des Weltkrieges. Die Regierung war auf energische, verantwortungsvolle Mithilfe angewiesen — die Kostenfrage war sekundär. Hier fand sich die erste Gelegenheit für die Pioniere jüdischer Arbeit — und die Regierung übergab jüdischen Händen Aufträge beträchtlichen Umfanges. Damals gründeten wir (der Verfasser ist, wie bekannt, ein prominenter Führer der Arbeiterschaft. Die Red.) unser Organ zur Übernahme von Aufträgen auf kooperativer Basis, „das Bureau für öffentliche Arbeiten", und anschließend daran die Gesellschaft „Solei Boneh". Mit Hilfe dieser Institutionen übernahmen wir Arbeiten, wie die Landstraßen des Unteren Galils in der Gegend von Haifa, Nazareth und Tiberias. Der Chaluz gewann an Sicherheit und zeigte sich seiner Aufgabe gewachsen. Inzwischen lief dieses Stadium ab, das mit dem Aktivum der Facherlernung, der Ausbildung von Tausenden im Weg- und Hausbau und mit dem Passivum eines finanziellen Defizits abschloß. Die zweite Periode (1922 bis 1927) verlief vom Standpunkt der Administration aus normaler und wies einen erheblichen Abstieg der Beteiligung jüdischer Arbeit an Regierungsarbeiten auf. Die Zivilverwaltung machte sich die übliche Kolonialmethode zu eigen, die mit „Kuli"-Arbeit rechnet. Sie nahm die Existenz des primitiven Arbeiters, dem keine Arbeitergesetzgebung hilfreich zur Seite steht, als Faktum — nicht nur als vorübergehendes Faktum, sondern als die gegebene Situation für diverse Generationen. Dieser primitive Arbeiter erschien ihr als die gültige Norm für Palästina. Mehr noch: durch Ausschreibung ihrer Arbeiten zu Jahreszeiten, da der primitive Arbeiter keine Beschäftigung in der Landwirtschaft fand und mehr als je darauf angewiesen war, seine Arbeitskraft so billig wie möglich zu verkaufen, setzte sie auch das Minimum des Arbeitslohnes noch herab. Das Problem einer Achtstundenarbeitszeit, der Einschränkung von Frauen- und Kinderarbeit — bestand für die Regierung überhaupt nicht. Aus all diesem ergab sich als praktische Folge, daß die Arbeiten ausschließlich von Arabern übernommen werden konnten und die Juden keinerlei Anteil mehr an ihnen fanden, sondern allmählich aus allen Departements der Regierung verdrängt wurden. Diese Periode schloß mit einem Anteil der Juden an Regierungsarbeiten, der gleich Null war, ab. Derselbe Vorgang spielte sich auch in fast allen Stadtverwaltungen Palästinas ab. Man muß in diesem Zusammenhang beachten, daß das Budget der Stadtverwaltungen faktisch von der Bestätigung und Genehmigung der Regierung abhing, ein Zustand, der sich auch mit dem neuen Wahlgesetz keineswegs geändert hat. Die Verantwortung für die Nichtbeschäftigung der Juden durch die Stadtverwaltungen fiel also tatsächlich unmittelbar der Regierung zu. Auf welche Ursachen ist nun diese Entwicklung zurückzuführen? Die Ursachen sind im Grunde wirtschaftlicher Natur. Sie bestehen vor allem in dem beträchtlichen Unterschied zwischen jüdischen und arabischen Arbeitslöhnen. Der Privatunternehmer, der arabische Arbeiter beschäftigt, kennt den Begriff eines „Lohnminimums" nicht. Er beutet die Arbeit von Frauen und Minderjährigen zu den niedrigsten Löhnen aus (6 bis 8 Piaster pro Tag), und schon diese Tatsache allein dient ihm als Druckmittel auf die Löhne erwachsener Männer. Der arabische Arbeiter aus dem Dorfe bekommt 10 bis 15 Piaster, der städtische 14 bis 17 Piaster. Einer dritten Kategorie gehören die nichtorganiserten jüdischen Arbeiter an, hauptsächlich die der orientalischen Gemeinden, die für 16 bis 20 Piaster pro Tag arbeiten. Der jüdische Arbeiter aber ist zum größten Teil — zu 70 bis 80% — organisiert — sein Normallohn, sofern er kein Facharbeiter ist, beträgt 25 Piaster pro Tag. Ein neutraler Urteiler wird zugeben, daß dieser Lohn in keiner Weise übertrieben hoch ist, sondern