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Palästina · 1929-04-01 · Heft 4-5 (April 1929) · p. Seite 73

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 4-5 (April 1929)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
Date
1929-04-01
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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iiuiig der mangelhaften sozialen Gesetzgebung in Palästina darstellt. Eine Zwangsbesteuerung von Arbeitgebern zugunsten der Krankenkasse ist in Palästina bis zum heutigen Tage nicht bekannt und so machen denn die vertragsmäßig vereinbarten Beiträge der Arbeitgeberschaft im Budget der Kupat Cholim im ganzen 16*6% aus. Unter derartigen Umständen mußte das scharfe Herabgleiten des Lebensniveaus der Arbeiterschaft in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Katastrophe der Arbeitslosigkeit und letztens auch der Mißernte die finanzielle Lage der Kupat Cholim sofort und äußerst schwer beeinflussen, um so mehr als auch der Beitrag der zionistischen Organisation (letztens durch Vermittlung der Hadassa ausgezahlt) in den letzten Jahren wiederholt gekürzt und oft auch äußerst unregelmäßig gezahlt wurde. So wuchs denn trotz mancher schmerzlicher Reduktion des Budgets die Schuldenlast der Kupat Cholim immer mehr, es drohte eine Zeitlang eine vollständige Stillegung der Institution und wenn sich auch die Lage im Laufe des letzten Jahres einigermaßen gebessert hat, so erregt sie noch immer Besorgnis genug und es wird einer großen Anstrengung bedürfen, um die Institution wieder vollständig auf die Füße zu stellen. Es muß noch dabei in Betracht gezogen werden, daß der Wirkungskreis der Kupat Cholim notwendigerweise ein breiterer sein muß als derartiger Institutionen in den anderen Ländern#und zwar nicht nur deswegen, weil der Prozentsatz von Kranken angesichts der schweren Lebensbedingungen und des notwendigerweise schweren Anpassungsprozesses an das Klima des Landes ein ziemlich großer ist, sondern weil die Institution infolge der mangelhaften Entwicklung des Sanitätswesens im Lande manche Aufgaben, insbesondere auf dem Gebiete der Prophylaxe und der Rekonvaleszentenfürsorge auf sich nehmen muß, die sonst in anderen Ländern staatliche Organe besorgen. Unter derartigen Umständen kann nur eine großzügige Aufklärungsarbeit ein Verständnis für die notwendigen Opfer zur vollständigen Sanierung der Institution wachrufen. Es sind allerdings gerade in dieser Beziehung große Schwierigkeiten zu überwinden, da die palästinensische Arbeiterschaft kein besonderes Interesse für die prosaischen Fragen des Krankenkassenwesens bekundet, was sich bei der vor zirka einem Jahr durchgeführten Propagandaaktion besonders kraß gezeigt hat. Die Ausarbeitung eines entsprechenden Aktionsprogramms zur Bewältigung dieser Aufgaben wird somit wohl einen der Hauptpunkte der Landeskonferenz der Kupat Cholim ausmachen, die Ende Februar in Tel-Aviv zusammentreten und die weiteren Richtlinien für die Tätigkeit der Institution ausarbeiten soll. 4. Die Juden und die öffentlichen Arbeiten im Lande. Die Frage der Beschäftigung von jüdischen Arbeitern bei den Arbeiten der Regierung und der Munizipalverwaltungen im Lande gehört wohl zu den schwierigsten im Leben der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Obwohl die Juden heute 18% der Bevölkerung im Lande und, was ihre Steuerleistungen betrifft, sogar die Hälfte ausmachen, so ist doch der Prozentsatz von jüdischen Arbeitern bei den öffentlichen Arbeiten ein minimaler. Die Regierung hat, abgesehen von der Periode der großen Nachkriegsarbeiten in den Jahren 1918 bis 1921 und der schweren Arbeitslosigkeit der letzten zwei Jahre, nie eine größere Anzahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt und seitens mancher Stadtverwaltungen (so in erster Reihe seitens der Stadtverwaltung von Jerusalem, wo die Mehrheit der Bevölkerung bekanntlich jüdisch ist) wird geradezu ein Boykottsystem gegen die jüdische Arbeiterschaft praktiziert, das ihr ein Eindringen in die verschiedenen Arbeitszweige von vornherein unmöglich macht. Dabei muß im Auge behalten werden, daß die Regierung mit ihrem jährlichen Ausgabenbudget von 2,300.000 £ heute den größten Arbeitgeber im Lande darstellt und daß

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