Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1929-04-01 · Heft 4-5 (April 1929) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 4-5 (April 1929)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
Date
1929-04-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379874-2379878-2388973--08967-2389208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ländern vorangehen, deren Zusammensetzung für die einzelnen Länder verschieden geregelt ist, im allgemeinen jedoch sowohl durch Wahlen seitens der zionistisch-sozialistischen Parteien, Jugendverbände und verschiedener Berufsverbände, wie auch durch individuelle Einladung von bekannten zionistischen und sozialistischen (auch nichtjüdischen) Persönlichkeiten zustande kommen soll. Die Tagesordnung des Kongresses wird durch die Exekutive der Histadruth festgesetzt werden und wird Referate über das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, über die Stellung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, im Rahmen der allgemeinen und der jüdischen Arbeiterbewegung und schließlich auch über die Stellung der Arbeiterschaft im Zionismus, wie auch in der Palästinabewegung innerhalb des Judentums überhaupt enthalten. Daneben soll auch der Kongreß mannigfache organisatorische Aufgaben, die mit der Bildung einer Weltliga für das arbeitende Palästina und eines Klassenfonds zum Aufbau Palästinas verbunden sind, auf sich nehmen. Die Weltorganisation als solche soll sowohl praktische (Unterstützung des Arbeitersiedlungswerks in Palästina, Sammlung von Geldern für den zentralen Klassenfonds oder für besondere Zwecke), als auch Erziehungs- und Propagandazwecke verfolgen und zur Hälfte durch die Histadruth als solche und zur Hälfte durch autonom gewählte Organe geleitet werden. Wie man sieht, ist also eine gewisse Parallelität zwischen der geplanten Organisation und der verbreiterten Jewish Agency zu verzeichnen, die auch in gewissen anderen Einzelheiten hervortritt, so z. B. in dem Plan, ein besonderes Buch dem Kongreß vorzulegen, das sozusagen eine Antwort auf den bekannten Bericht der Sachverständigen, wie auch den weiteren Aufbauplan enthalten soll. Doch darf auch der grundlegende Unterschied zwischen der verbreiterten Agency und der Weltliga für das arbeitende Palästina nicht außer acht gelassen werden, der darin besteht, daß die Agency als Kolonisationsbehörde in die Rechte der heutigen zionistischen Organisation tritt, indes die Führung des Arbeitersiedlungswerkes in Palästina auch nach Verwirklichung des Gedankens einer Weltliga für das arbeitende Palästina in den Händen der Histadruth bleiben wird, während die Liga als solche bloß eine Hilfsorganisation in den Galuthländern darstellen soll. Wieweit es gelingen wird, diesen großzügigen Plan voll zur Ausführung zu bringen, bleibt vorläufig noch abzuwarten, doch unterliegt es keinem Zweifel, daß er geeignet ist, die organisatorische und moralische Bedeutung der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina bedeutend zu stärken. 3. Der Existenzkampf der Kupat Cholim. Die letzten ungeheuer schweren Jahre in der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina haben natürlich auch die verschiedensten Unternehmungs- und Selbsthilfeinstitute der Histadruth in Mitleidenschaft gezogen, und wenn auch der Zusammenbruch des Solei Boneh doch nur eine vereinzelte Erscheinung geblieben ist, so hatten, bezw. haben noch bis zum heutigen Tage fast alle bedeutenderen Institutionen gegen große materielle Schwierigkeiten anzukämpfen, die ihre Tätigkeit nicht selten scharf beeinträchtigen. Wohl am schwersten ist durch diese Wandlung der Dinge die Arbeiterkrankenkasse, die Kupat Cholim betroffen worden, was nur allzu verständlich wird, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß dieses große Selbsthilfewerk, das mit seinen übers ganze Land verstreuten Ambulatorien, Krankenhäusern, Apotheken und Rekoiivaleszentenheimen und mit seinem ziemlich großen Stab von Ärzten und Beamten ein jährliches Ausgabenbudget von fast 46.000 £ verschlingt, diese Ausgaben zu 54% aus Beiträgen der Arbeiterschaft zu decken gezwungen ist, ein Zustand, der wohl in keinem Kulturland der Welt zu verzeichnen ist und mit eine Folgeerschei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.