Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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anderseits (wie neulich besonders klar von Ben-Zwi in der Arbeiterzeitung „Davar" dargelegt) die überwiegende Mehrheit der jüdischen Arbeiter im Lande im Gegensatz zum arabischen Proletariat ganz auf Lohnarbeit angewiesen ist, ohne irgendwelche Nebeneinkünfte aus eigener Wirtschaft zu besitzen, so daß der Prozentsatz von Voilproletariern bei den Juden auch absolut größer ist als bei den Arabern. Die Gründe dieser Nichtbeschäftigung von jüdischen Arbeitern sind, sofern es sich nicht, wie im Falle von Jerusalem, um eine ausgesprochene antijüdische Politik handelt, ziemlich klar: Die arabische Lohnarbeit ist angesichts des mangelhaften Ausbaues der Arbeiterschutzgesetzgebung im Lande sowie angesichts des niedrigen Lebensniveaus der arabischen Lohnarbeiterschaft fast immer billiger, manchmal sogar viel billiger als die jüdische und muß im Falle einer freien, durch keinerlei Rücksichten gehinderten Konkurrenz den Sieg davontragen. Es fragt sich aber, ob es angeht, daß die Landesregierung mit Berufung auf derlei Argumente sich sowohl ihrer Mandatsverpfliehtungen als auch der Rücksichtnahme auf die jüdischen Steuerzahler und schließlich der Pflicht jeder Kulturregierung, für die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung zu sorgen, entledigt. Eine Antwort auf diese Frage ist die palästinensische Landesregierung bis zum heutigen Tage schuldig geblieben. Es muß dabei auch in Betracht gezogen werden, daß dieses Vorgehen der höchsten Verwaltungsbehörden im Lande beispielgebend wirkt, insbesondere auf die verschiedenen Privatunternehmungen im Lande. So hat letztens die englische Firma, die die elektrischen Installationsarbeiten in Jerusalem durchführt, die Aufnahme von jüdischen Arbeitern mit ausdrücklicher Berufung auf die Regierung (freilich auch mit Berufung auf jüdische Kolonisten, die arabische Lohnarbeiter beschäftigen) verweigert. Die Frage ist gerade in der letzten Zeit im Zusammenhang mit den geplanten großen öffentlichen Arbeiten, in erster Reihe mit dem Hafenbau in Haifa, wiederum äußerst aktuell geworden. Trotz vieler Bestrebungen ist es bis zum heutigen Tage nicht gelungen, die Regierung zu einem bindenden Versprechen zu bewegen, bei diesen Arbeiten eine größere Anzahl von jüdischen Arbeitern zu beschäftigen. Die Regierung scheint vielmehr den für die Zukunft der jüdischen Arbeit äußerst gefährlichen Weg betreten zu wollen, sich lediglich für qualifizierte Arbeit, wo eine arabische Konkurrenz ohnehin fast gar nicht in Betracht kommt, der Juden zu bedienen, die nichtqualifizierten Arbeiten aber auch weiterhin arabischen Lohnarbeitern zu übergeben. Die Verwirklichung eines derartigen Prinzips würde die Einführung eines äußerst drückenden numerus clausus für die jüdische Arbeit bedeuten und wird auch daher durch die jüdische Arbeiterschaft aufs heftigste bekämpft. Es wird also wiederum einer schweren und langen Propagandaarbeit bedürfen, um dieses Unrecht der jüdischen Arbeit gegenüber gutzumachen. Vielleicht wird auch der weitere Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung sowie der Organisierungsprozeß der arabischen Arbeiterschaft eine Besserung in dieser Hinsicht mit sich bringen können. Die Zusammensetzung der Mandatskommission. Diese ist gegenwärtig die folgende: Vorsitzender: Marquis A. Theodoli (Italien); Vizevorsitzender: Van Rees (Holland); Mitglieder: Frl. Dannewig (Norwegen), Dr. L. Kastl (Deutschland), Lord Lugard Abgeschlossen am?. April 1929 POLITIK.