Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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schweren Existenzkampf der großen Masse der Mitglieder in den letzten Jahre wurden letztens manche Stimmen von Unzufriedenheit laut, die eine intensivere Sorge für die tagtäglichen Interessen der Arbeiterschaft verlangten. All diese Mängel, deren Existenz schon vorher mehr oder weniger bekannt war, offenbarten sich letztens besonders klar im Laufe der Tätigkeit der neugeschaffenen Kontrollorgane der Histadruth und heischen nun gebieterisch eine Besserung, um die Organisation für ihre großen Aufgaben in der allernächsten Zeit schlagfertig zu machen. An eine Umwandlung der Histadruth in eine reine Gewerkschaftsorganisation ohne jeden politischen oder nationalen Hintergrund, wie sie z. B. von den linken Poale-Zion ununterbrochen gefordert wird, ist natürlich nicht zu denken, doch wurde es letztens klar, daß eine gewisse Reorganisierung und Neuumgrenzung von Kompetenzen notwendig sei. In diesem Geiste bewegten sich die Verhandlungen der Tagung und wurden auch die die Organisation als solche betreffenden Beschlüsse, die den Kern aller Beschlüsse der Tagung ausmachen, gefaßt. Stärkung der inneren Disziplin in der Organisation, reinliche Umgrenzung der Kompetenzen der einzelnen Organe und Behörden, Eindringen in alle Arbeitsgebiete im Lande, strenge Wahrung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und ununterbrochener enger Kontakt zwischen den leitenden Behörden und der Masse der Mitglieder, all dies wurde auf der Tagung gefordert und beschlossen. Es war wohl zum erstenmal in der Geschichte der Histadruth, daß diese Fragen so rücksichtslos offen behandelt und erledigt worden sind. Und es ist wohl als sicher anzunehmen, daß diese Beschlüsse, falls sie in der Praxis durchgeführt werden, geeignet sind, die innere Kraft der Histadruth bedeutend zu vergrößern und die Verwirklichung ihrer einzigartigen Mission im Aufbau des Landes zu erleichtern. 2. Um die Weltorganisation für das arbeitende Palästina. Die Vorarbeiten zur Einberufung eines Weltkongresses der Freunde des arbeitenden Palästina, der womöglich zur Gründung einer festen Weltorganisation führen soll, sind, nachdem sie fast ein Jahr unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt worden sind, nunmehr in ihr endgültiges, offenes Stadium getreten. Die vor kurzem stattgefundene Konferenz für das arbeitende Palästina in Deutschland bedeutet einen Auftakt zur Aktion in fast allen bedeutenderen Ländern Europas und Amerikas. Zum erstenmal wurde die Frage des Weltkongresses auf die Tagesordnung einer öffentlichen Beratung anläßlich der letzten Tagung des Rates der Histadruth gesetzt, wo auch die ideologischen Grundzüge der neuen Bewegung durch Ben-Gurion formuliert worden sind. Die Berechtigung einer Klassenbewegung der jüdischen Arbeiterschaft als Verwirklicherin des Zionismus in Palästina wird einerseits in der allgemeinen Tatsache des Hervortretens des Proletariats als der führenden Volksschicht an Stelle der Bourgeoisie, anderseits in der einzigartigen Rolle der jüdischen Arbeiterschaft beim Aufbau Palästinas gefunden. Die zwei Prozesse im Leben des jüdischen Volkes, die Rückeroberung des Heimatlandes und die ökonomische Gesundung im Wege der Produktivisierung der Volksmassen seien unzertrennlich miteinander verbunden und nur die Volksschicht, die beides auf sich nehmen könne und wolle, sei dazu berufen, die Trägerin des Volksbefreiungsprozesses zu werden. Darin liege die historische Bedeutung der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina im Gegensatz sowohl zu der mehr oder weniger blutlosen, volksfremden Bewegung der jüdischen Arbeiterschaft in den Galuthländern, wie auch zur Bewegung der anderen Volksteile. Derselben Tagung des Rates wurde auch durch die Exekutive der Histadruth ein Organisierungspian der Konferenz vorgelegt, der in seinen Grundstrichen vom Rate akzeptiert worden ist. Dem Kongreß sollen Landeskonferenzen in den einzelnen