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Palästina · 1929-04-01 · Heft 4-5 (April 1929) · p. Seite 70

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 4-5 (April 1929)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
Date
1929-04-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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zu erfüllen, die viel mehr mit der inneren Entwicklung der Organisation, als mit irgendeiner Aktion nach außen hin verbunden sind. Seit langen Monaten war jetzt zum erstenmal die Gelegenheit gegeben, in einer einigermaßen ruhigen, von der schweren quälenden Sorge der Arbeitslosigkeit befreiten Atmosphäre die inneren Fragen der Bewegung zu erörtern. Nicht als ob die Arbeitsfrage keinen bedeutenden Platz in den Verhandlungen eingenommen hätte. Hätte ja schon die Darstellung des einzigartigen Prozesses der Eroberung der Arbeit, der im Verlauf von wenigen Monaten die Zahl der Arbeitslosen von 7000 auf 1200 herabgedrückt hatte, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken müssen. Darüber hinaus sind aber auch die Sorgen der Arbeitslosigkeit doch nicht ganz verschwunden und nehmen manchmal (so letztens in Tel-Aviv) sogar ziemlich bedrohliche Formen an. Die nunmehr, wenn auch vorläufig in sehr schwachem Tempo, einsetzende fünfte Alijah wird auch das ihrige dazu beitragen, die Frage einigermaßen zu komplizieren und auch die Lage der gegenwärtig Beschäftigten (insbesondere die Lage der zirka 9000 Arbeiter in den Kolonien) ist in vielen Fällen noch weit, ja sogar sehr weit davon, erträglich genannt werden zu können. So mußten also die Arbeitsprobleme auch jetzt ziemlich ausführlich und ernst erörtert werden. Doch konzentrierten sie nicht mehr das Hauptinteresse der Tagung um sich. Es war vielmehr klar, daß die palästinensische Arbeiterschaft als solche jetzt angesichts der inneren Entwicklung in der zionistischen Organisation, insbesondere aber angesichts der nahen Verwirklichung des Gedankens der erweiterten Jewish Agency vor großen, folgenschweren Entscheidungen stehen werde, daß sie darangehen müsse, ihren Wirkungskreis insbesondere im Auslände bedeutend auszudehnen (vergl. die folgende Notiz) und demgemäß ihren inneren Apparat entsprechend auszubauen, eventuell auch umzubilden. So mußte denn die Erörterung der Lücken in der inneren Arbeit, die unerbittliche Eigenkritik und die damit verbundenen Besserungsvorschläge an erste Stelle treten. Für die meisten Mitglieder des Rates war es klar, daß diese Lücken, soweit sie während der Tagung selbst präzisiert worden sind, aus dem inneren Zwiespalt stammen, in dem sich die Histadruht seit dem Tage ihrer Gründung befindet und, soweit absehbar, immer befinden wird: Sie ist einerseits eine nationale Pionierorganisation, die Verwirklicherin des Zionismus im Lande, anderseits ist sie, oder wenigstens sollte sie auch eine Klassenorganisation der Arbeiterschaft sein, deren Zweck es ist, die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitglieder möglichst zu heben und zu bessern. Nicht immer harmonisieren diese beiden Seiten der Tätigkeit miteinander, nicht immer können sie auch gleich stark berücksichtigt werden. Im Leben der Histadruth hatte bisher die nationale Pioniertätigkeit unbedingt den Vorzug. Dies war mit vielen Vorteilen verbunden, hatte aber auch viele Nachteile zur Folge. Das Streben zum großen Endziel schwächte in vielen Fällen das Verständnis für die kleinlichen, prosaischen, aber doch wichtigen Dinge des alltäglichen Wirtschaftens ab, das Gefühl des Verbundenseins mit einer großen Bewegung hatte manchmal eine Minderung des individuellen Verantwortungsgefühls zur Folge, es fehlt oft die Lust zum Ausbau der einzelnen Zweige des gemeinsamen Wirtschaf tens oder der gemeinsamen Vorsorge, die kleinlichen Pflichten des Alltags wurden vernachlässigt. Anderseits litten darunter auch die verschiedensten Behörden und Organe der Histadruth, bei denen es oft an einer reinlichen Arbeitsteilung und an einer unmittelbaren Verknüpfung mit der Masse der Mitglieder mangelte, was seinerseits eine Schwächung der inneren Disziplin in der Organisation und manche Erscheinungen von unliebsamer Konkurrenz zwischen den Behörden als solchen und einzelnen Mitgliedern oder Gruppen von Mitgliedern zur Folge hatte. Mit dem zahlenmäßig immer stärkeren Wachstum der Histadruth, aber auch im Zusammenhang mit dem

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