Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Bericht aus Palästina
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 63 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379878-2388971--08955-2389199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— wie bei dem Prozeß der Regierung gegen die Stadt Tiberias um die Ausbeutung der heißen Quellen, bei welchem Anlaß ein Blatt die unsinnige Behauptung aufstellte, die Regierung prozessiere nur, weil Tiberias keine arabische, sondern eine hebräische Mehrheit habe*): aber gegen Nablus z. B. würde man gegebenenfalls nicht so vorgehen — oder schließlich darum, wie der Uberschuß der Palästinareg i e r u n g zu verteilen ist. Um diese letzte Frage ging ein der Öffentlichkeit zugänglich gemachter Briefwechsel zwischen Herrn Luke, dem Ghefsekretär der Palastinaregierung, und dem Londoner Kolonialstaatssekretär Amery; dieser stellt sich auf den Standpunkt, daß die Überschüsse teils zur weiteren Begleichung der alten ottomanischen Staatsschuld aufzuwenden seien — obgleich Palästina bekanntlich das einzige der an der Aufteilung dieser Schuld beteiligten Länder ist, das bisher überhaupt Zahlungen leisten konnte — teils aber für die militärischen Bedürfnisse Palästinas und Transjordaniens zu dienen haben und nur zum geringsten Teile den Bedürfnissen des Landes, z. B. der Wasserleitung Jerusalems, zugute kommen sollen. Diese Stelhmgsnahme erregte den unseres Erachtens berechtigten Widerspruch der hebräischen Presse: zeigt sie doch, daß die britische Regierung allzu leicht geneigt ist, Palästina in schlechten Zeiten, z. B. nach der Erdbebenkatastrophe, als ein wirtschaftlich autochthones Land zu betrachten, das sich selbst helfen müsse; in guten Zeiten aber macht man sich seinen Überschuß für die allgemeine Reichspolitik zunutze. Hier liegt ein egoistisch-imperialistischer Widerspruch vor, den eine aktive und ruhigzielbewußte jüdische Politik wird zu lösen suchen müssen. Die letzte Angelegenheit, die eine erneute Spannung zwischen Regierung und Jischuw geschaffen hat, ist die Frage der Böden von Iiifiat bei Chedera. Hier fanden von Beduinen, die teils pachtweise auf diesen Böden saßen, teils aus der Nachbarschaft, wohl auf Betreiben des berüchtigten Waldräubers Bustani, zugezogcu waren, Überfälle auf die jüdischen Bauern und Arbeiter statt, die diese Felder bearbeiten wollten. Der polizeiliche Schutz scheint, auch nach Eintreffen höherer Offiziere, einigermaßen versagt zu haben; schließlich erging die Verfügung, die strittigen Böden provisorisch in der Weise zu behandeln, daß jede Partei die von ihr bereits in Angriff genommenen Arbeiten vollenden dürfe, daß aber auf den von beiden Seiten noch nicht bearbeitetem Stück Land keine Arbeit begonnen werden dürfe, bis das Gericht endgültig über die Zugehörigkeit entscheide. Wer aber soll das Gericht anrufen? Beide Seiten stellten sich auf den Standpunkt, daß sie, als die unzweifelhaften Rechtseigentümer, keine Veranlassung hätten, gegen die andere Partei eine Anerkennungsklage zu erheben, daß dies vielmehr von der Gegenseite zu geschehen habe. Dieser Standpunkt wurde insbesondere auch von den Vertretern Chederas mit größter Entschiedenheit bei einer Sitzung zum Ausdruck gebracht, die in Jerusalem mit Vertretern der Regierung und der Zionistischen Exekutive stattfand. In diese verwickelte Lage griff der Oberkommissär von sich aus ein und verwies die An gelegenheit zur Klärung an das eigens für solche Streitigkeiten bestehende Bodengericht, ohne die Klage einer der beiden Parteien abzuwarten. Der endgültige Rechtsspruch ist noch nicht erfolgt, für ein bestimmtes Stück Land ist er zugunsten der Juden gefällt worden. Inzwischen aber ruht die Arbeit auf allen strittigen Feldern, trotz wiederholter Versuche der Juden, diesen Zustand zu ändern, und trotz ihres Hinweises, daß ihnen dieser Aufschub großen materiellen Schaden bringe. Betrachten wir diesen Streitfall objektiv, so scheint sich etwa folgende Lage zu *) Inzwischen ist in dieser Frage ein Vergleich geschlossen worden. Siehe „Nachrichten und Daten". Die Red.