Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Die Rolle des Keren Kajemeth bei Entwicklung der Haifa-Bay
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 31 (sequence 2)
- Language
- German
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Den ganzen Tag ritten wir in diesem Tale herum und durchquerten es von Süd nach Nord und von West nach Ost. Wir betrachteten es sehr genau und studierten auch seine Umgebung, denn wir hatten erkannt, daß eine glänzende Zukunft seiner warte: hier war ja das Zentrum des Landes, der passendste Ort für den Bau eines modernen großen Hafens am Strande des Mittelländischen Meeres, und hier war das große Hinterland der Jisreelebene, die damals gänzlich verlassen dalag. Eine glänzende, große Zukunft, aber wie traurig und furchtbar war die Gegenwart! Am Abend kehrten wir müde und abgespannt ins Hotel zurück, und die ganze Nacht verging uns in langen Gesprächen über den Erwerb dieses großen Tales. Am nächsten Tage, schon früh am Morgen, ging ich fort^ um durch die deutsche Kolonie „Karmel44 zu spazieren. Neben einem Weinberg traf ich einen deutschen Bauern, der mit der Hacke in der Hand dastand und die Erde um seine Weinstöcke herum jätete. Ich begrüßte ihn, aber er antwortete mir mit unfreundlichem Gesicht. „Sie sind sicher 4, sagte er, „einer von dieser Karawane, die gestern das Akkotal besucht hat. Soviel ich hörte, wollt Ihr es erwerben.44 „Was ist denn Ihre Meinung über dieses Tal?44, fragte ich ihn. Er antwortete mir mit geringschätzigem Lächeln: „Das ist nichts für Euch! Das ist nichts für Juden! Ihr Juden seid immer nur gewohnt, zu kommen, wenn alles gemacht ist. Es liegt nicht in Eurer Art, Opfer zu bringen, wirkliche Opfer, um etwas zu schaffen und zu bauen. Ihr wartet lieber darauf, daß andere kommen und Opfer bringen, daß andere arbeiten und bauen. Nachher aber kommt Ihr — und kauft! . . .i4 Diese Worte waren für mich wie eine brennende Ohrfeige. Ich erbleichte vor Scham und Schmerz. Trotzdem aber antwortete ich vollkommen ruhig: „Wenn Sie noch lange leben sollten, werden Sie sehen, daß Sie sich sehr irren. Wenn auch vielleicht ein Hauch von Wahrheit in Ihren Worten ist, soweit sie die Juden in den Ländern der Diaspora betreffen, so wäre es doch eine vollkommene Verleumdung, wenn Sie damit auch den Aufbau unseres alten Landes treffen wollten, in das zurückzukehren und das von seiner Zerstörung wieder aufzubauen wir nun begonnen haben.44 Voll Zorn und Schmerz ließ ich ihn stehen und ging ins Hotel zu meinen Freunden zurück. Ich erzählte ihnen meine Unterhaltung. Niemals werde ich dieses Gespräch vergessen! Damals aber, im Kreise vertrauter Freunde, schworen wir einander einen Treuschwur, alle unsere Kräfte unserem großen Ziele zu weihen, um seine Worte Lügen zu stcafen.